Ein Silbermedaillengewinner in der Loge

Ankündigung „Im Gespräch mit…“ am 31. Mai 2026

 Axel Jungk ist gebürtiger Sachse, kommt aus dem Erzgebirge. Seine Wahlheimat ist Dortmund, wo er zum Olympiakader der Winterspiele gehört. Zweimal bereits hat er bei Olympischen Spielen eine Silbermedaille in der Skeleton-Abfahrt gewonnen, zuletzt in diesem Winter in Cortina d’Ampezzo.

Wir, die Loge Zur alten Linde, freuen uns sehr, dass er im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“ unser Gesprächspartner sein wird, und zwar am

31. Mai 2026 ab 10:30 Uhr

in unseren Logenräumen in der Landgrafenstraße 170 in Dortmund.

Interessierte Damen und Herren sind eingeladen, an dieser Gesprächsrunde teilzunehmen, Fragen aus der Publikum werden elektronisch gesammelt und am Ende gestellt.

Interviewer und Gesprächspartner von Axel Jungk werden Jan-Joschka Pogadl und Martin Staubach sein.

Bei Interesse senden Sie bitte an unser Sekretariat.

„Parallele Linien haben eine gemeinsame Richtung“

Großer Gästeabend am 12. Februar 2026

„Kraft der Parallelität: Die Freimaurerinnen“

– unter diesem Titel hielt Frau Dr. Antje Hansen, bis 2022 Großmeisterin und damit die 1. Vorsitzende der Frauengroßloge von Deutschland, ihr Grundsatzreferat beim traditionellen „großen Gästeabend“ der Loge Zur alten Linde, der sich immer an den Neujahrsempfang anschließt und neuen Gästen einen tieferen Einblick in die Freimaurerei gewähren soll.

Das Konzept, zu diesem Vortrag einmal eine Frau einzuladen und damit einen Perspektivwechsel vorzunehmen, ist voll aufgegangen, deutlich über 60 Teilnehmer – viele davon Frauen, einige. auch „Schwestern“, also Freimaurerinnen – waren trotz Weiberfastnacht erschienen.

Eingeleitet wurde der Abend durch ein kleines Ritual für Gäste, das den Anwesenden einen Eindruck davon vermitteln sollte, was bei den Freimaurern „hinter verschlossenen Türen“ passiert.

Danach begrüßte Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl der Loge, das Publikum und stellte die Referentin vor. Frau Dr. Hansen habe als promovierte Chemikerin sicher einen klaren, eben naturwissenschaftlichen Blick auf die Dinge, meinte er. Seine Bemerkung, dass es doch ungewöhnlich sei, wenn eine Kölnerin ausgerechnet in Düsseldorf in die Loge ginge, konterte Frau Dr. Hansen damit, dass ihr Fahrtweg in die Düsseldorfer Loge, in die sie 1998 aufgenommen worden sei, nur fünf Minuten länger als zur Loge in Köln sei, und dafür würde keine Freimaurerin und kein Freimaurer die Loge wechseln.

Sr. Hansen bemühte dann das philosophische Konzept der Alterität (Andersartigkeit) und stellte klar, dass Frauenlogen nicht als „Defizit“ oder als „Abweichung vom ‚männlichen Standard‘“, sondern als eine eigenständige Entwicklung innerhalb der Freimaurerei betrachtet werden müssen.

Die erste Frauenloge „Zur Humanität“ in Deutschland sei in Berlin bereits 1949 gegründet worden, und zwar unter tätiger Mithilfe bedeutender deutscher Freimaurer. Von ihren Mitbrüdern ausgegrenzt, suchten und fanden die Frauen eigene Lösungen, die teilweise etwas Anekdotenhaftes hätten, so habe man statt des sonst in der Freimaurerei üblichen blau die Farbe Lila zur tragenden Farbe gewählt. Während die männliche Freimaurerei die drei Grade Lehrling, Geselle und Meister kennt, hätten die Frauen über Jahrzehnte in ihren Reihen nur den Lehrlingsgrad praktiziert. 

Auch die Hoffnung, von der starken französischen Frauen-Freimaurerei Unterstützung bei den Ritualen zu erhalten, sei an an deren Totalitätsanspruch gescheitert, so sei man selbst kreativ gewesen. Mehr Hilfe erhalte die Frauengroßloge von der 1982 gegründeten Dachorganisation CLIMAF (Centre de Liaison Maçonnique Féminine) zur Förderung und Unterstützung der nationalen Frauengroßlogen.

Über ganz Deutschland verteilt gebe es zur Zeit 32 Logen mit über 600 Mitgliedern. Im Gegensatz zu anachronistischen amerikanischen Traditionen sei die moderne Frauenfreimaurerei kein schöner Widerschein der männlichen, sondern eine eigenständige Fortsetzung der königlichen Kunst durch Menschen weiblichen Geschlechts. 

Sprachlich seien alle männlichen Formen verweiblicht worden (Gesellin, Meisterin, Aufseherin, Beamtin etc.), lediglich über den Begriff der Brüderlichkeit gebe es immer wieder eine Grundsatzdiskussion, er sei bislang unverändert übernommen worden. In den deutschen Sprachgebrauch eingeführt worden war er durch die Übersetzung des Leitmotivs der Französischen Revolution Liberté, Egalité, Fraternité in „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und er hat seitdem auch die Konnotation der Solidarität, die dem Begriff „Schwesterlichkeit“ fehle.

Symbol der Frauengroßloge v. Deutschland

Sr. Hansen meinte, dass Frauen es eigentlich immer bei der Wahl angemessener Kleidung leichter haben als die Männer, so trügen sie bei der Arbeit schwarze Kleidung, was, spiele keine Rolle. Auch für die Schwestern sei Loge ein Rückzugsort vom Alltag, ein Freiraum zum Durchatmen unter Gleichgesinnten.

Auch die Frauenlogen seien um öffentliche Wahrnehmung bemüht. Die innerfreimaurerische Auseinandersetzung mit der männlichen Freimaurerei – die Alterität – werde als Aufgabe und als Chance für Weiterentwicklung gesehen. Eben Parallelität, nicht Einheit.

So habe sie die Einladung der Loge als gelungenen Ansatz für diese Auseinandersetzung verstanden und sei gerne gekommen. Es war ein überaus bemerkenswerter Vortrag, für den sie lang anhaltenden Applaus erhielt. In vielen kleinen Gruppen wurde im Anschluss noch intensiv weiter diskutiert. 

30. Neujahrsempfang

Sonntag, 25. Januar 2026

Fast 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten am Sonntag, den 25.01.2026, den immerhin schon 30. Neujahrsempfang der Loge Zur alten Linde. Festredner war dieses Mal mit Klaus Wegener der Präsident der Auslandsgesellschaft, der ein äußerst düsteres Bild der Zukunft Amerikas zeichnete.

Meister vom Stuhl Joachim Pohlmann führte sehr launig durch das Programm, zu dem Juan Carlos Arancibia und Anita Farkas als das Arie Dúo vier großartige Musikstücke beisteuerten.

Überraschungsgast war mit Alexander Kalouti der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund. Dass ein OB „einfach nur so“ vorbeikommt, hat es – zumindest in der Loge – auch noch nicht gegeben. Völlig unprätentiös verzichtete er darauf, im Mittelpunkt zu stehen, und überließ die vorbereitete Grußansprache an seine Vertreterin, Bürgermeisterin Ute Mais.

Joachim Pohlmann (MvSt.)

Das „Arie Dúo“ sendete mit ihren wunderbaren Interpretationen einen schimmernden Hoffnungsstrahl in die Runde der Gäste und Brüder. Zwischen den einzelnen Rednerinnen und Rednern spielten sie eine vielfältige Mischung unterschiedlichster klassischer Stücke. Vor allem auch das für sie geschriebene „Pottpourie“ aus der „Fledermaus“ und das eigene Arrangement für Gitarre und Querflöte aus „Carmen“ hinterließen bei den Anwensenden Gänsehautgefühle.

Frau Mais überbrachte ihr Grußwort mit ebenso launigen wie bewegenden und freundlichen Worten, die letztlich zum eigentlichen Kernthema des Empfangs hinleiteten.
Mit Klaus Wegener hatte die Loge zum zweiten Mal den Präsidenten der Auslandsgesellschaft zu Gast, 30 Jahre zuvor war es Jürgen Alexander Fischer, Mitglied der Loge, der den Festvortrag gehalten hatte.

Herr Wegener hatte sich – frei formulierend – die Situation in Amerika zum Thema gemacht:

Wohin Trump(eln) wir – project 2025 und die Folgen.

Dieses Projekt ist auf über 900 Seiten von der Heritage Foundation, einer amerikanischen nationalistisch-konservativen Denkfabrik, entwickelt worden. Einer der Co-Autoren ist Stephen Miller, stellv. Stabschef im Weißen Haus. Es sieht im Prinzip vor, die Exekutive, Legislative und Judikative so umzubauen, dass die USA dauerhaft von den Republikanern und einem praktisch allmächtigen Präsidenten geführt werden können. Die Schritte, die dazu bereits eingeleitet wurden, erinnern in ihrer Konsequenz und Skrupellosigkeit dabei durchaus an die Machtergreifung der Nazis in Deutschland 1933.

Die USA würden sich nur noch auf ihren engeren Machtbereich – im Wesentlichen Nord- und Südamerika – konzentrieren und sich aus allen anderen global-politischen Ver­pflich­tungen nach. und nach herauslösen, aus rund 60 internationalen Organisationen seien sie bereits ausgetreten, für USAid, eine Hilfsorganisation viel größer als das rote Kreuz, seien von heute auf morgen alle Mittel gestrichen worden.

Venezuela und der Griff nach Grönland seien die ersten Schritte zur Ausweitung des unmittelbaren Einflussbereiches, zu dem auch Kanada als dann 51. Bundesstaat gehören würde.

Wegener: „Wir erleben das, was Trump tut, als erratisch. Aber das ist es nicht. All seinen Handlungen liegt dieses Projekt zugrunde. Und das Mittel, das angewandt wird, ist: ‚Flooding the zone with shit‘.“ Jeden Tag werde eine neue Sau durchs Dorf getrieben und in all den widersprüchlichen und merkwürdigen Aussagen gehen die wahren Ziele, die tatsächlichen Absichten, die Strategie ein wenig unter. Man sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. „Epstein-Akten, Venezuela – all die relevanten Nachrichten gehen unter, weil wir über Grönland reden. Sehr angenehm für den Präsidenten“, so Wegener. Mit dem ‚Trump Derangement Syndrome‘ existiere heute sogar eine offizielle Krankheit – Kritik am Präsidenten sei damit nicht mehr legitim, sondern behandlungsbedürftig.

Und weiter: „Ganz schlimm: Das Bildungsministerium ist abgeschafft. Die ICE-Agenten sind für mich wie die Stasi früher in der DDR, anders kann ich das wirklich nicht mehr bezeichnen. Die Auslandsgesellschaft organisiert seit 44 Jahren das Austauschprogramm mit Dortmunder Schulen, im vergangenen Jahr ist es ins Wasser gefallen, weil uns amerikanische Gasteltern, die wir seit vielen Jahren kennen, gesagt haben: ‚Ja, wir kennen uns lange – aber es passt nicht mehr in die politische Landschaft, dass wir hier ausländische Schüler aufnehmen.‘ Worüber reden wir hier? Zugleich haben Eltern in Deutschland Angst, dass ihre Kinder Probleme bekommen.“

Und die Reaktionen im Land? Angst, Sprachlosigkeit, Wegducken. Ein Auflehnen der Demokraten sei bislang nicht wirklich zu beobachten. Herr Wegener nahm uns auch den Glauben und die Hoffnung, mit dem nächsten Präsidenten würde das alles wieder besser werden. Seine klare Prognose: nein. Warum auch sollte ein künftiger Präsident seine neu gewonnene Macht selbst wieder beschneiden?

Selbst eine dritte Amtszeit von Donald Trump, die seit den Zeiten Roosevelts verfassungsseitig ausgeschlossen ist, hält er für möglich. Trump würde das im Prinzip durch den Einsatz der Nationalgarde, wie er sie heute schon in einigen Großstädten einsetzt, und dem Argument eines latenten Bürgerkriegs in den betroffenen Bundesstaaten durchsetzen.

Der Vortrag ging allen Anwesenden tief unter die Haut. Der Meister vom Stuhl überreichte Herrn Wegener als Dank das Bild der Einladung, das der Fotodesigner Christian Strupp wieder in unnachahmlicher Art entworfen und umgesetzt hatte. Es zeigt den Fußabdruck Trumps auf Artikel 1 der amerikanischen Verfassung – We the People…

Viele der Teilnehmer blieben im Anschluss noch beisammen, um bei Currywurst und Falafel das Gehörte zu verarbeiten.

Stiftungsmatinee 2025

Sonntag, 14.12.2025, 11-15 Uhr

Einmal im Jahr lädt die Loge Zur alten Linde Schwestern und Brüder, Gäste und Freunde zu einer vorweihnachtlichen Matinee zugunsten ihrer gemeinnützigen Stiftung Zur alten Linde ein. In einem durchaus festlichen Rahmen werden dabei im abgelaufenen Jahr geförderte Projekte vorgestellt, ein Musikprogramm aufgeführt und gut gegessen.

Das Ganze ist dabei nicht uneigennützig, die Stiftung erhofft sich dabei Spenden, die sie dann für neue Projekte ausgeben oder zugunsten des Stiftungsvermögens zustiften kann.

Nach der Begrüßung der Anwesenden durch Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl und damit 1. Vorsitzender der Loge, richtete Frau Bürgermeisterin Ute Mais ein paar Grußworte an die Gäste und entschuldigte dabei Oberbürgermeister Alexander Kalouti.

Sehr launig führte sodann Christian Strupp, seit vielen Jahren Sprecher des Stiftungsbeirats, durch das weitere Programm. Als erstes bat er Dr. Verena Löffler um ihren Bericht. Sie stellte den Verein Die Brücke e.V. vor, der sich ein Tabuthema auf die Fahnen geschrieben hat, das kaum vermittelbar ist und für das es schwer fällt, Geldgeber zu gewinnen: die Arbeit mit (jugendlichen) Sexualstraftätern.

Ihr Vorstandskollege Volker Schattenberg ging dann auf seinen Schwerpunktbereich Therapie ein und führte aus, dass Menschen mit gesellschaftlich nicht akzeptierten Sexualvorlieben, etwa Pädophile, oft von sich aus Beratung und Therapie suchen, das Geld aber fehlt, um hier präventiv wirken zu können. Solche Menschen sind dann häufig suizidgefährdet. Die Stiftung Zur alten Linde ist hier mit insgesamt 3000 Euro unterstützend tätig gewesen.

Das zweite Projekt, das die Stiftung im Jahr 2025 mit insgesamt 5000 Euro unterstützt hat, war „Jedem Kind ein Instrument“ am Reinoldus-Schiller-Gymnasium. Zwei Damen des Kollegiums stellten das Projekt vor, das binnen drei Jahren zu fast einer Verdreifachung des Instrumentenbedarfs auf 72 Instrumente im Schuljahr 25/26 angewachsen ist. Die Stiftung hat 5000 Euro beigesteuert.

Den kulturellen Höhepunkt bildete dann aber der Auftritt der beiden Künstler, der Sopranistin Laura Metzemacher und des Dirigenten und Pianisten Martin Fratz.

Dr. Verena Löffler, Vorstandsvorsitzende „Die Brücke“

„Von ewiger Liebe und anderen Abenteuern“ hieß das Programm, das die beiden vorstellten und das die Zuhörer und Zuschauer mit Liedern und Chansons aus mehreren Jahrhunderten begeisterte.

Frau Metzemacher entpuppte sich dabei auch als exzellente Darstellerin, die gewitzt, gewagt und pointiert das Gesungene auch vorspielte, dabei teilweise mit Herrn Fratz in eine Art Dialog eintrat.

Auch kulinarisch hatte die Matinee einiges zu bieten: Ein reichhaltiges und üppiges Büffet von Kilimanjaro hatte afrikanische und asiatische Besonderheiten auf dem Programm.

Insgesamt ein sehr gelungener Sonntagmittag, der die rund 80 Gäste mehr als zufrieden stellte und bei manchem die Bereitschaft, für Projekte wie die vorgestellten zusätzlich Geld zu geben, erhöht haben dürfte.

Wer mit der Stiftung Zur alten Linde in Kontakt treten möchte, kann das über den Link https://www.zur-alten-linde.de/stiftung-zur-alten-linde/ tun.

Im Gespräch mit… – Stadtdirektor Jörg Stüdemann

16. November 2025

Über 70 interessierte Damen und Herren waren am Sonntag, den 16.11.25, erschienen, um unserer in unregelmäßiger Reihenfolge stattfindenden Runde „Im Gespräch mit…“ beizuwohnen.

Nachdem der Vorsitzende der Loge, der Meister vom Stuhl, Herrn Stüdemann als Urgestein der Dortmunder Stadtspitze launig vorgestellt und begrüßt hatte – die beiden kennen und schätzen sich schon seit Jahren insbesondere aus dem Kulturausschuss –, nahm dieser auf dem Meisterstuhl zwischen den beiden Brüdern Hardy S. (wir respektieren den Wunsch eines Bruders nach Anonymität in der Öffentlichkeit) und dem Journalisten Dirk Planert Platz, die die Gesprächsführung übernahmen.

Rasch entspann sich ein sehr interessantes Gespräch, bei dem die Zuhörer unserem Gast regelrecht an den Lippen hingen.

Herr Stüdemann präsentierte sich als ein Kulturpolitiker, wie man sich ihn nicht besser vorstellen kann. Sachkundig auch im Detail, sowohl in den angesprochenen Kulturfragen als auch in Themen des überaus komplexen Haushalts einer Großstadt, war er wortgewaltig, dabei nicht aus der Ruhe zu bringen, eloquent und schlagfertig.

Die Themen waren breit gestreut So wurde Persönliches gefragt, etwa, ob er das Lehrerstudium als die richtige Voraussetzung für sein Berufsleben empfand. Er bejahte das, weil die Germanistik ihn auf das Literaturverständnis und damit einen Teil der Kunst vorbereitet habe, und er in Sozialwissenschaften den Schwerpunkt Wirtschaft belegt hatte. 

Im Kulturbereich hob er darauf ab, dass die Städte im Ruhrgebiet und im Norden relativ am Gesamthaushalt mit unter 5% deutlich weniger für die Kultur ausgäben als die Städte im Süden.

Zudem verteidigte er die Höhe der Kulturausgaben mit dem Hinweis darauf, dass in den vergangenen Jahrhunderten

für die Entwicklung des Kulturell-Geistigen durch den Bau von Kirchen und Klöstern anteilig deutlich mehr ausgegeben worden sei. Er betonte die kulturelle Vielfalt unserer Stadt und hob auch auf die Bedeutung für die Wissenschaft ab, so sei Dortmund nach Berlin der größte Standort für digitale Kultur mit eigenem Masterstudiengang.

Für den Stadthaushalt beschrieb er, wie wichtig es für die Stadt sei, nicht unter der Finanzaufsicht der Bezirksregierung zu stehen und welcher (legitimen und legalen!) buchhalterischen Kunstgriffe es gelegentlich bedurfte, das weiterhin sicherzustellen. Er betonte aber auch, dass die Ausgaben der Stadt heute deutlich mehr von Investitionen geprägt seien, hier insbesondere in den Bau von Kindergärten und Schulen, als noch vor Jahren. Dortmund sei eine durchaus vermögende Stadt, auch wenn die konsumptiven Ausgaben nach wie vor über einer Milliarde Euro lägen.

Der Journalist Jens Krömer hatte als die „Brigitte Büscher“ aus „hart aber fair“ (so seine Worte) online Fragen der Besucher gesammelt und trug diese vor.

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung standen viele Besucher noch lange beisammen und diskutierten das Gehörte. Es war ein überaus gelungener Vormittag, der Lust machte auf die nächste derartige Veranstaltung.

Ziya Gökalp – ein Freimaurer zwischen Atatürk und Erdoğan

23. Oktober 2025

Etwa 10 Herren waren am 23. Oktober zu Gast in der Loge Zur alten Linde zu einem Gästeabend. Unser Bruder K. Sezer hatte sich das Idol seiner Zeit des Erwachsenwerdens als Aufhänger für seinen spannenden Vortrag ausgesucht: Ziya Gökalp, Vordenker dessen, was wir gern als die „moderne Türkei“ bezeichnen. 

Foto: Wikipedia

Seine These: Gökalp, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Osmanischen Reich lebte, hat gleichermaßen Einfluss auf das Wirken Kemal Atatürks zur Staatsgründung der Türkei gehabt, beeinflusst aber auch heute noch Recep Erdoğan, den aktuellen Präsidenten der Türkei. Gleichzeitig ging Herr Sezer dabei der Frage nach, ob – und wenn ja, wie – die Ideale der Freimaurerei die Gedankenwelt Gökalps beeinflusst haben.

Zunächst beschrieb er die Situation der Freimaurerei in der heutigen Türkei. Mit 18.000 Brüdern gibt es dort mehr Freimaurer als in Deutschland (16.000) bei ähnlicher Bevölkerungszahl, allerdings konzentrieren sich die etwa 270 Logen auf nur 24 Städte. 

Im Osmanischen Reich gab es die erste Logengründung in Istanbul bereits 1721, also gut 15 Jahre eher als in Deutschland (Hamburg 1738). Mit der Öffnung zu westlich geprägten Gedanken entstanden im 19. Jahrhundert weitere Logen in Istanbul, dazu in Izmir, Thessaloniki, Belgrad und Skopje, wobei Thessaloniki (damals Selânik) das Zentrum der jungtürkischen Bewegung war, die Ziya Gökalp und Kemal Atatürk geprägt hat. Die Stadt hatte eine multikulturelle Bevölkerung aus Türken, Griechen, Juden, Armeniern und vielen Europäern, ihre Logen dienten als Treffpunkte junger Offiziere, Intellektueller und Reformer, hier formierte sich auch die Trägerbewegung der Revolution von 1908.

Das Osmanische Reich, das über Jahrhunderte weite Gebiete in vorderasiatischen Raum, in Südosteuropa und im südöstlichen Mittelmeerraum beherrschte und zahllose Kriege mit Russland, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, den italienischen Staaten, Persien und selbst Schweden führte, zerfiel im 19. Jahrhundert langsam.

Drei Strömungen prägten die Gedanken und Diskussionen, wie sich das Reich für die Zukunft rüsten könne: 

  • der Pan-Ottomanismus (Ziel: die Fortsetzung des Osmanischen Reiches trotz seiner ethnischen und kulturellen Vielfalt)
  • der Pan-Islamismus (Ziel: die Einheit aller Muslime unter einem Kalifa
  • der Pan-Türkismus (Ziel: Aufbau einer modernen nationalen Gesellschaft auf Basis von Sprache, Sitte, Moral und Kunst).

Gökalp war starker Befürworter des dritten Weges, lehnte die beiden anderen als überholt und nicht zeitgemäß ab. Sein Fokus lag auf den Türkvölkern Turans (insbesondere die Türken Anatoliens, Aserbaidschaner, Turkmenen, Usbeken, Kasachen, Kirgisen, Tataren, Baschkiren, Jakuten und andere).

Atatürks „neue Türkei“ fußte auf den Ideen von Kultur und Zivilisation, einer Nation als moralisch-kultureller Gemeinschaft, sozialer Solidarität und der Laizismus.

Recep Erdoğan habe erkannt, dass die reine Westorientierung nicht dem Geist Gökalps und Atatürks entsprach. Unter seiner Führung seien die türkischsprachigen Nationen und Gemeinschaften wieder enger zusammengerückt, nicht als Reich, sondern als kulturell-strategische Union. Er habe
 Gökalps Vision eines geistigen Turan neu interpretiert.

Die Frage, ob Ziya Gökalp Freimaurer war, blieb offen, wirkliche Belege dafür gibt es nicht. Kamu aber betonte, dass die Gedankenwelt der Freimaurerei, und hier insbesondere die der europäischen Aufklärung, einen fundamentalen Einfluss auf seine Vision der neuen Türkei gehabt habe.

Tag des offenen Denkmals

14. September 2025

Im Zuge der Feierlichkeiten zu ihrem 170-jährigen Bestehen hatte die Loge Zur alten Linde im Rahmen des Tags des offenen Denkmals von 14 – 19 Uhr ihre Pforten für interessierte Bürger und Bürgerinnen geöffnet, und sie kamen in Scharen! Rund 300 Personen fanden sich im Laufe der fünf Stunden ein, um an den Führungen und Vorträgen teilzunehmen.

Besonders groß war das Interesse an einer Demonstration des freimaurerischen Rituals, durchgeführt vom Meister vom Stuhl Joachim Pohlmann mit Matthias Knäpper und Arnim Schneider als Aufsehern. Vorangegangen war ein Kurzvortrag von Arnim Schneider über Rituale im Allgemeinen und die der Freimaurer im Besonderen.

Den zweiten Vortragsblock gestaltete Axel Pohlmann mit einem Kurzvortrag über Freimaurerei allgemein, den dritten Block am Abend übernahm Günther Ziethoff, der über den Umbau des Hochbunkers zum Logenhaus vor 25 Jahren berichtete.

Auch an der Museumsnacht am 20. September wird die Loge noch einmal ihre Tore öffnen. Interessenten melden sich bitte an unter mailto:sekretariat@zur-alten-linde.de.

Am 25.9. um 20 Uhr gibt es dann einen Grundsatzvortrag von Dr. Luc Turmes unter dem Thema: Von Brüderlichkeit und Toleranz bis zum freimaurerischen Geheimnis – Eine kleine Einführung in die humanistische Freimaurerei.
Auch hierzu bitten wir, sich unter der E-Mail-Adresse oben anzumelden.

170 Jahre Freimaurerloge Zur alten Linde in Dortmund: Menschenliebe, Toleranz, Brüderlichkeit im Herzen Westfalens

Unsere Loge feiert in diesem Jahr ihr 170-jähriges Bestehen. Damit gehören wir zu den ältesten Vereinen der Stadt und blicken auf eine lange Tradition der Wertevermittlung und Persönlichkeitsentwicklung zurück.

Beim Stiftungsfest am gestrigen Donnerstag erfüllen wir das Klischee, das uns Freimaurern oft nachgesagt wird: „Da haben wir im geschützten Rahmen des Rituals der Freimaurer – das immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet – gefeiert. Da waren wir ganz unter uns“, so Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl und damit Erster Vorsitzender unserer Loge.

Ehrungen und die Aufnahme eines neuen Bruders in die Weltbruderkette standen hier im Mittelpunkt.

„Aber wir öffnen uns auch, in diesem Jahr sind wir beim Tag des offenen Denkmals und bei der DEW 21 Museumsnacht dabei, zeigen unsere Räumlichkeiten, erklären, was die Freimaurerei so besonders macht, zeigen ein bisschen von unserem Ritual und beantworten alle Fragen.“

Am Sonntag, 14. September 2025, öffnen wir im historischen Logenhaus an der Landgrafenstraße 170 in der Innenstadt ihre Türen. Unser Hochbunker wird beim Tag des offenen Denkmals von 14 bis 19 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Am Samstag, 20. September 2025, nimmt die Loge außerdem an der Dortmunder DEW21 Museumsnacht teil und lädt Interessierte von 19 bis 23.30 Uhr zu Begegnung, Austausch und Einblicken in das Logenleben ein.

Programm-Höhepunkte

Am Tag des offenen Denkmals können Besucher um 14 Uhr, 15.30 Uhr und 17 Uhr an spannenden Kurzführungen teilnehmen.

Vorträge bieten Einblicke in die Rituale der Freimaurerei (14.30 Uhr), die Geschichte und Werte der Loge (16.00 Uhr) und den Wandel des Hochbunkers zum Logenhaus (17.30 Uhr).

Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist begrenzt, daher ist eine Anmeldung erwünscht per Email an unsere Sekretäre.

Zur Museumsnacht werden ebenfalls interessante Programmpunkte angeboten, so der Vortrag „Freimaurerei ein Lebensstil“ (ab 19 Uhr) und interaktive Begegnungen und Gespräche in der Loge („Die Freimaurerloge als Ort der Begegnung und des Austauschs“, 19.45 – 20.15 Uhr und „Die Freimaurerloge Zur alten Linde heute“, 20.00 – 20.30 Uhr).

„Wir freuen uns sehr, in diesem Jahr erstmals bei beim Tag des offenen Denkmals und eine Woche später bei der DEW 21 Museumsnacht dabei zu sein“, sagt der Meister vom Stuhl, Joachim Pohlmann.

„Für Dortmunderinnen und Dortmunder ist es eine perfekte Gelegenheit aus erster Hand zu erfahren, was die Freimaurerei im Allgemeinen und unsere Loge im Besonderen ausmacht. Wir freuen uns auf viele Besucherinnen und Besucher und anregende Gespräche.“

Auch bei der Museumsnacht erscheint es sinnvoll, sich vorab per E-Mail bei den Sekretären der Loge anzumelden.

Tradition und Werte

Die Loge Zur alten Linde wurde 1855 nach der Femlinde benannt – einem aus dem Mittelalter stammenden Ort und Symbol für Rechtsprechung und Vollzug, der weit über die Grenzen Dortmunds bekannt war. Die Gemeinschaft der Brüder ist geprägt von Werten wie Toleranz, Menschenliebe, Brüderlichkeit, Weisheit, Stärke und Mäßigung. Die Loge versteht sich als Ort persönlicher Entwicklung jenseits von Dogmen und gesellschaftlichen Schranken. Sie ist ein Treffpunkt für Männer aller Berufe und Lebenslagen, die sich gemeinsam für ein verantwortungsvolles und gutes Leben einsetzen und im „Geist der Selbstreflexion“ zusammenkommen.

Joachim Pohlmann betont anlässlich des Jubiläums: „Unsere Loge ist seit 170 Jahren ein Ort der Begegnung für Männer, die sich ansonsten ein Leben lang fremd geblieben wären. Freimaurer wird man nicht nur durch Einladung, sondern vor allem, indem man selbst aktiv wird und die Initiative ergreift. Deshalb öffnen wir uns in diesem Jahr mehr als sonst. Wir sind schon ziemlich stolz darauf, mit über 140 Brüdern eine der größten Logen Deutschlands zu sein.“

Und weiter: „Bei den öffentlichen Veranstaltungen sind alle Dortmunderinnen und Dortmunder herzlich eingeladen, sich ein Bild von der Freimaurerei im Allgemeinen, unserer Loge im Besonderen und dem Hochbunker im Speziellen zu machen. Wir würden uns freuen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Offenheit, Respekt und der gemeinsame Wunsch nach persönlichem Wachstum – das ist es, was unsere Gemeinschaft ausmacht.“

Eine Anmeldung zum Tag des offenen Denkmals (Sonntag, 14. September, ab 14 Uhr) und zur Dortmunder DEW 21 Museumsnacht (Samstag, 20. September, ab 19 Uhr) ist erwünscht. Eine E-Mail an die Sekretäre unserer Loge genügt.

  • Im Juni 1855 wurde die Gründung der Loge beschlossen, die Urkunde der „Großen National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln“ datiert vom 8. September 1855. Das Licht wurde am 18. November 1855 in die Loge eingebracht.
  • Heute gehört die Loge an der Landgrafenstraße 170 in der östlichen Innenstadt der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland an, damit dem humanistischen Zweig der Freimaurer in Deutschland.
  • Zusammen mit dem Fassverein und der Gesellschaft Casino gehört die Loge Zur alten Linde zu den ältesten Vereinen Dortmund.
  • Mit mehr als 140 Mitgliedern, zwischen 25 und 90 Jahre alt, ist die Loge Zur alten Linde eine der größten Freimaurerlogen in Deutschland
  • Sie hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag.

„Die Brücke Dortmund e. V.“ stellt sich vor

Sommergästeabend am 24.7.25

Knapp 30 Herren – die Sommergästeabende richten sich nur an Männer – waren zum zweiten Gästeabend der Loge Zur alten Linde in der Sommerpause in die Loge gekommen, darunter einige unserer regelmäßigen Gäste.

Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl (Vorsitzender) der Loge, leitete den Abend nach langer Zeit wieder einmal mit einem kleinen Gäste-Zeremoniell ein, mit dem es immer wieder gelingt, eine besonders dichte Atmosphäre und ein hohes Aufmerksamkeitsniveau zu erreichen. Er begrüßte die beiden Referenten des Abends, Frau Dr. Verena Löffler, Vorstandsvorsitzende des Vereins „Die Brücke Dortmund e. V.“, und ihren Kollegen Benjamin Seifert, die beide sehr engagiert über ihre Arbeit berichteten. Sie führten aus, dass die intensive Nachbetreuung der Täter und nicht der Opfer im Fokus der „Brücke“ steht, was den Zuhörern einen ungewohnten Einblick und Perspektivwechsel ermöglichte.

Tatsächlich klingt es im ersten Moment wie verkehrte Welt: „Die Brücke“ kümmert sich um jugendliche Straftäter und versucht mit ihnen, einen Ausgleich mit den Opfern herzustellen. Damit beabsichtigt der Verein präventiv daran zu arbeiten, dass Täter nicht erneut straffällig werden, also präventiv zu arbeiten.

Frau Dr. Löffler gab einen Überblick über die Aufgaben des Vereins, der sich drei Schwerpunkte in der Kriminalprävention gegeben hat:

Kurve kriegen – Kooperationsprojekt mit der Polizei zur Verhinderung von Intensivstraftäterkarrieren von Kindern vor der Strafmündigkeit. Der Standort dieses Bereichs ist in Werne.

Offene Jugendarbeit – Präventive Angebote in Jugendfreizeiteinrichtungen und der Kleinen Burgholzstraße zur frühzeitigen Intervention bei Risikoverhalten, insbesondere in der Nordstadt.

Sozialkompetenz-Training – Spezialisierte Gruppenmaßnahmen für Jugendliche mit Gewaltproblematik zur Förderung gewaltfreier Konfliktlösungen.

Dr. Verena Löffler

Die Brücke macht therapeutische Angebote in den Bereichen

  • Therapie für erwachsene Sexualstraftäter
  • Fachberatung für sexuell grenzverletzende Kinder und Jugendliche
  • Diagnostik und Therapie für Minderjährige mit sexuell grenzverletzenden Verhaltensweisen
  • Täterarbeit häusliche Gewalt für Männer.

Für Straffällige gibt es Anti-Aggressivitäts-Training, Kurse zur Stärkung der Sozialkompetenz, individuelle Begleitung und Deeskalationstrainings.

Im Anschluss ging Herr Seifert auf eines seiner Spezialgebiete ein: den Täter-Opfer-Ausgleich. Er kommt insbesondere bei Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Stalking, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Betrug, Diebstahl, Einbruch, Freiheitsberaubung und räuberischer Erpressung / Raub zum Einsatz. Etwa 30-40% der Ausgleichsbemühungen sind immerhin von Erfolg gekrönt: Opfer und Täter scheiden nicht als Freunde, aber mit Achtung voreinander und ohne Angst auf Seiten des Opfers.

Weil „Die Brücke“ sich mit den Tätern „abgibt“, gestaltet sich die Finanzierung der nicht durch öffentliche Mittel gedeckten Kosten als sehr schwierig.

Die Stiftung Zur alten Linde hat dem Verein „Die Brücke“ 1.000 € als Spende überweisen.

Nachdem etliche Fragen beantwortet worden waren, schloss der Meister vom Stuhl den offiziellen Teil des Abends erneut mithilfe des Gäste-Zeremoniells. Es schlossen sich noch lange, angeregte Diskussionen an.

Kunst im Wandel der Zeit

Sommergästeabend am 10.7.25

Etwa 25 Gäste und Brüder waren beim ersten Sommergästeabend des Jahres 2025 zugegen. Friedrich Fuß, früherer Bezirksbürgermeister West, selbst ein Mann des Theaters, hatte sich des Themas „Kunst im Wandel der Zeit“ angenommen.

Kunst, die er allerdings sehr breit fasste, sei per definitionem von Menschen für Menschen gemacht, den Begriff der Schönheit wollte er ausschließlich auf Kunstobjekte angewandt wissen, ein Sonnenuntergang per se sei nicht „schön“. Die Menschwerdung würde an zwei Sachverhalten festgemacht: der Bestattung der Toten und der Entstehung von Höhlenmalereien.

Herr Fuß führte aus, dass kein Philosoph der Schönheit eine größere Bedeutung beigemessen habe als Platon. Anders verhielt es sich mit der Kunst, weil sie von der Wahrheit ablenke. Platons Schüler Aristoteles entwickelte die erste systematische Literaturtheorie und legte damit den Grundstein für ein reflektiertes künstlerisches Selbstbewusstsein, der Begriff der Nachahmung erhielt eine positive Bedeutung, dafür wurde der platonische Wahrheitsidealismus aufgegeben.

Jahrhundertelang habe danach die Vernunft regiert, das habe sich 325 n. Chr. geändert, als das Christentum Staatsreligion wurde. Alle Kunst wurde nun in den Dienst Gottes gestellt, es galt, „das Höchste“, oft auch in Form des Lichtes, darzustellen.

Erst in der Renaissance rückte der Mensch stärker in den Mittelpunkt. Nikolaus von Kues habe als erster die Individualität jedes Menschen betont. In der Wissenschaft wurde die Forderung nach Exaktheit und Überprüfbarkeit formuliert.

Die Künstler nutzten nun in ihren Werken die neuen Erkenntnisse der Anatomie und der Mathematik und erhoben die Kunst vom bloßen Handwerk des Mittelalters in den Stand einer Wissenschaft.

An die Renaissance schloss sich nach dem 30-jährigen Krieg das Barock an. Der Aussage Descartes – ich denke, also bin ich – stand das der Staat bin ich des Sonnenkönigs Ludwig des 14. diametral entgegen. Die streng realistische Kunst der Renaissance wurde spielerischer, opulent, verführerisch, der schöpferische Schwerpunkt lag in den Niederlanden. 

Im 18. Jahrhundert schloss sich das Rokoko an, wer es sich leisten konnte, entzog sich dem Absolutismus und zog sich in Privatschlösser zurück. In der neuen Welt hingegen wurden neue Staatstheorien entwickelt, die Unabhängigkeit Amerikas wird erklärt. Kant zufolge ließ sich die Schönheit weder an irgendwelchen Bestimmungen des Gegenstandes festmachen und begrifflich fassen, noch konnte etwas schon deshalb für schön gelten, weil es Lust bereitete. Kunst unterlag nun dem Geschmack, und der konnte sich ändern. Das Interesse an etwas entschied über den Grad des Gefallens. Was in der Religion der Glaube ist, sei in der Kunst der Geschmack.

Erneut schlug die Kunst um, Ende des 18. Jahrhunderts entsteht der Klassizismus und die Klassik in Musik und Literatur mit ihren Hauptvertretern Haydn, Mozart und Beethoven, Goethe, Kleist undSchiller. Die Kunst wird zunehmend politischer.

Friedrich machte dann einen Sprung in die Neuzeit und hielt ein flammendes Plädoyer für den Erhalt der Unabhängigkeit der Kunst angesichts von Bestrebungen der rechten Lager und des Islam, Kunst wieder einzuengen, politisch und religiös Einfluss zu nehmen auf die Kunst.

Er schloss mit: „In den kommenden Jahrzehnten werden Freimaurer, Schlaraffen, Lions und Rotarier, um nur einige zu nennen, gebraucht, in denen starke Persönlichkeiten sind, die Widerstand gegen den Kulturabbau leisten und zwar von Angesicht zu Angesicht, von Mensch zu Mensch, die nicht zurückweichen vor der Auseinandersetzung der anstehenden Konflikte. Ich fordere uns Brüder und Sie als unsere Gäste auf, für die freie Entfaltung eines jeden einzelnen Menschen einzutreten, das ist die Voraussetzung für eine sinnvolle Entwicklung unserer Gesellschaft, dazu braucht es unsere tätige Solidarität und verständnisvolle Toleranz, das führt zu Bildung und Kultur, deren Ausdruck die Kunst ist. Es bleibt noch viel zu tun.“