Stiftungsmatinee 2025

Sonntag, 14.12.2025, 11-15 Uhr

Einmal im Jahr lädt die Loge Zur alten Linde Schwestern und Brüder, Gäste und Freunde zu einer vorweihnachtlichen Matinee zugunsten ihrer gemeinnützigen Stiftung Zur alten Linde ein. In einem durchaus festlichen Rahmen werden dabei im abgelaufenen Jahr geförderte Projekte vorgestellt, ein Musikprogramm aufgeführt und gut gegessen.

Das Ganze ist dabei nicht uneigennützig, die Stiftung erhofft sich dabei Spenden, die sie dann für neue Projekte ausgeben oder zugunsten des Stiftungsvermögens zustiften kann.

Nach der Begrüßung der Anwesenden durch Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl und damit 1. Vorsitzender der Loge, richtete Frau Bürgermeisterin Ute Mais ein paar Grußworte an die Gäste und entschuldigte dabei Oberbürgermeister Alexander Kalouti.

Sehr launig führte sodann Christian Strupp, seit vielen Jahren Sprecher des Stiftungsbeirats, durch das weitere Programm. Als erstes bat er Dr. Verena Löffler um ihren Bericht. Sie stellte den Verein Die Brücke e.V. vor, der sich ein Tabuthema auf die Fahnen geschrieben hat, das kaum vermittelbar ist und für das es schwer fällt, Geldgeber zu gewinnen: die Arbeit mit (jugendlichen) Sexualstraftätern.

Ihr Vorstandskollege Volker Schattenberg ging dann auf seinen Schwerpunktbereich Therapie ein und führte aus, dass Menschen mit gesellschaftlich nicht akzeptierten Sexualvorlieben, etwa Pädophile, oft von sich aus Beratung und Therapie suchen, das Geld aber fehlt, um hier präventiv wirken zu können. Solche Menschen sind dann häufig suizidgefährdet. Die Stiftung Zur alten Linde ist hier mit insgesamt 3000 Euro unterstützend tätig gewesen.

Das zweite Projekt, das die Stiftung im Jahr 2025 mit insgesamt 5000 Euro unterstützt hat, war „Jedem Kind ein Instrument“ am Reinoldus-Schiller-Gymnasium. Zwei Damen des Kollegiums stellten das Projekt vor, das binnen drei Jahren zu fast einer Verdreifachung des Instrumentenbedarfs auf 72 Instrumente im Schuljahr 25/26 angewachsen ist. Die Stiftung hat 5000 Euro beigesteuert.

Den kulturellen Höhepunkt bildete dann aber der Auftritt der beiden Künstler, der Sopranistin Laura Metzemacher und des Dirigenten und Pianisten Martin Fratz.

Dr. Verena Löffler, Vorstandsvorsitzende „Die Brücke“

„Von ewiger Liebe und anderen Abenteuern“ hieß das Programm, das die beiden vorstellten und das die Zuhörer und Zuschauer mit Liedern und Chansons aus mehreren Jahrhunderten begeisterte.

Frau Metzemacher entpuppte sich dabei auch als exzellente Darstellerin, die gewitzt, gewagt und pointiert das Gesungene auch vorspielte, dabei teilweise mit Herrn Fratz in eine Art Dialog eintrat.

Auch kulinarisch hatte die Matinee einiges zu bieten: Ein reichhaltiges und üppiges Büffet von Kilimanjaro hatte afrikanische und asiatische Besonderheiten auf dem Programm.

Insgesamt ein sehr gelungener Sonntagmittag, der die rund 80 Gäste mehr als zufrieden stellte und bei manchem die Bereitschaft, für Projekte wie die vorgestellten zusätzlich Geld zu geben, erhöht haben dürfte.

Wer mit der Stiftung Zur alten Linde in Kontakt treten möchte, kann das über den Link https://www.zur-alten-linde.de/stiftung-zur-alten-linde/ tun.

Ankündigung 30. Neujahrsempfang

25. Januar 2026, ab 10:30 Uhr, Westfälischer Industrieklub, Markt 6-8 in Dortmund

Es war im Januar des Jahres 1995, dass die Loge Zur alten Linde einen ersten zaghaften Versuch unternahm, einen Neujahrsempfang zu veranstalten. Man war (und ist) ein Männerbund, also lud man nur Männer ein. Und man traf sich in den Räumen der Loge Zur alten Linde, die damals noch in der Jüdischen Kultusgemeinde beherbergt war. Der Rahmen der Veranstaltung war vergleichsweise bescheiden.

Zwei Jahre später bereits ging man in die Öffentlichkeit, ins „Tortenstück“ des Harenberg City Centers, dorthin, wo damals Kultur in Dortmund zelebriert wurde. Vor zehn Jahren wurde der Ort erneut verlegt in den Westfälischen Industrieklub, mit Blick auf den Alten Markt.

Mit Stolz lädt die Loge Zur alten Linde nun zu ihrem 30. Neujahrsempfang ein (es gab zwischenzeitlich zwei Jahre Corona-Pause). Festredner wird mit Klaus Wegener der Präsident der Ausslandsgesellschaft. Herr Wegener ist Honorarkonsul der Slowakischen Republik und Ehrenbürger der Stadt Duna (Palästina), er ist Journalist und Betriebswirt, war Hörfunkkorrespondent in den USA und kennt sich mit den transatlantischen Beziehungen, die uns aktuell fast täglich in den Berichterstattungen begegnen, hervorragend aus.

Der Titel seines Vortrags lautet

Wohin Trump(eln) wir?

project 2025 und die Folgen

Für den musikalischen Rahmen zeichnet das Arie Duo, Anita Farkas (Querflöte) und Juan Carlos Arancibia (Gitarre), verantwortlich, das an dieser und anderen Stellen schon häufiger für Furore gesorgt hat.

Wie schon erstmalig im vergangenen Jahr laden wir im Anschluss an den „offiziellen Teil“ zum Verweilen ein, um bei Getränken und Currywurst / Falafel mit Minzesauce das Gehörte an den Stehtischen vertiefen zu können.

Die Veranstaltung richtet sich nur an eingeladene Damen und Herren. Interessenten wenden sich bitte an sekretariat@zur-alten-linde.de.

Klaus Wegener
Arie Duo

(Gestaltung des Titelbildes: Christian Strupp)

Im Gespräch mit… – Stadtdirektor Jörg Stüdemann

16. November 2025

Über 70 interessierte Damen und Herren waren am Sonntag, den 16.11.25, erschienen, um unserer in unregelmäßiger Reihenfolge stattfindenden Runde „Im Gespräch mit…“ beizuwohnen.

Nachdem der Vorsitzende der Loge, der Meister vom Stuhl, Herrn Stüdemann als Urgestein der Dortmunder Stadtspitze launig vorgestellt und begrüßt hatte – die beiden kennen und schätzen sich schon seit Jahren insbesondere aus dem Kulturausschuss –, nahm dieser auf dem Meisterstuhl zwischen den beiden Brüdern Hardy S. (wir respektieren den Wunsch eines Bruders nach Anonymität in der Öffentlichkeit) und dem Journalisten Dirk Planert Platz, die die Gesprächsführung übernahmen.

Rasch entspann sich ein sehr interessantes Gespräch, bei dem die Zuhörer unserem Gast regelrecht an den Lippen hingen.

Herr Stüdemann präsentierte sich als ein Kulturpolitiker, wie man sich ihn nicht besser vorstellen kann. Sachkundig auch im Detail, sowohl in den angesprochenen Kulturfragen als auch in Themen des überaus komplexen Haushalts einer Großstadt, war er wortgewaltig, dabei nicht aus der Ruhe zu bringen, eloquent und schlagfertig.

Die Themen waren breit gestreut So wurde Persönliches gefragt, etwa, ob er das Lehrerstudium als die richtige Voraussetzung für sein Berufsleben empfand. Er bejahte das, weil die Germanistik ihn auf das Literaturverständnis und damit einen Teil der Kunst vorbereitet habe, und er in Sozialwissenschaften den Schwerpunkt Wirtschaft belegt hatte. 

Im Kulturbereich hob er darauf ab, dass die Städte im Ruhrgebiet und im Norden relativ am Gesamthaushalt mit unter 5% deutlich weniger für die Kultur ausgäben als die Städte im Süden.

Zudem verteidigte er die Höhe der Kulturausgaben mit dem Hinweis darauf, dass in den vergangenen Jahrhunderten

für die Entwicklung des Kulturell-Geistigen durch den Bau von Kirchen und Klöstern anteilig deutlich mehr ausgegeben worden sei. Er betonte die kulturelle Vielfalt unserer Stadt und hob auch auf die Bedeutung für die Wissenschaft ab, so sei Dortmund nach Berlin der größte Standort für digitale Kultur mit eigenem Masterstudiengang.

Für den Stadthaushalt beschrieb er, wie wichtig es für die Stadt sei, nicht unter der Finanzaufsicht der Bezirksregierung zu stehen und welcher (legitimen und legalen!) buchhalterischen Kunstgriffe es gelegentlich bedurfte, das weiterhin sicherzustellen. Er betonte aber auch, dass die Ausgaben der Stadt heute deutlich mehr von Investitionen geprägt seien, hier insbesondere in den Bau von Kindergärten und Schulen, als noch vor Jahren. Dortmund sei eine durchaus vermögende Stadt, auch wenn die konsumptiven Ausgaben nach wie vor über einer Milliarde Euro lägen.

Der Journalist Jens Krömer hatte als die „Brigitte Büscher“ aus „hart aber fair“ (so seine Worte) online Fragen der Besucher gesammelt und trug diese vor.

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung standen viele Besucher noch lange beisammen und diskutierten das Gehörte. Es war ein überaus gelungener Vormittag, der Lust machte auf die nächste derartige Veranstaltung.

Ankündigung „Im Gespräch mit…“

Sonntag, 16. November, ab 10:30 Uhr

Zum vierten Mal seit der Wiederaufnahme ihrer Reihe „Im Gespräch mit…“ lädt die Loge zur alten Linde interessierte Damen und Herren ein, diesem Format beizuwohnen.

Jörg Stüdemann ist Kämmerer und somit Wächter über den Haushalt der Stadt Dortmund, der, wie bei vielen anderen Großstädten auch, nicht über genügend Finanzmittel verfügt, die vielen Lücken zu stopfen.

Als Kulturdezernent hat er gleichzeitig die Aufgabe, nicht nur die Kleinkunst zu fördern, sondern auch den visionären Vorstellungen von Tobias Ehinger, dem Chef der Dortmunder Bühnenwelt, gerecht zu werden. Wie er den Spagat zwischen diesen Ämtern schafft, ist eine der vielen Fragen, auf die Herr Stüdemann sicherlich eingehen wird.

Interessierte Damen und Herren bitten wir, sich an das Sekretariat der Loge unter der E-Mail-Adresse Sekretariat zu wenden, wir laden sie gern ein.

Logenhaus im ehemaligen Hochbunker (KI-überarbeitet)

Ziya Gökalp – ein Freimaurer zwischen Atatürk und Erdoğan

23. Oktober 2025

Etwa 10 Herren waren am 23. Oktober zu Gast in der Loge Zur alten Linde zu einem Gästeabend. Unser Bruder K. Sezer hatte sich das Idol seiner Zeit des Erwachsenwerdens als Aufhänger für seinen spannenden Vortrag ausgesucht: Ziya Gökalp, Vordenker dessen, was wir gern als die „moderne Türkei“ bezeichnen. 

Foto: Wikipedia

Seine These: Gökalp, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Osmanischen Reich lebte, hat gleichermaßen Einfluss auf das Wirken Kemal Atatürks zur Staatsgründung der Türkei gehabt, beeinflusst aber auch heute noch Recep Erdoğan, den aktuellen Präsidenten der Türkei. Gleichzeitig ging Herr Sezer dabei der Frage nach, ob – und wenn ja, wie – die Ideale der Freimaurerei die Gedankenwelt Gökalps beeinflusst haben.

Zunächst beschrieb er die Situation der Freimaurerei in der heutigen Türkei. Mit 18.000 Brüdern gibt es dort mehr Freimaurer als in Deutschland (16.000) bei ähnlicher Bevölkerungszahl, allerdings konzentrieren sich die etwa 270 Logen auf nur 24 Städte. 

Im Osmanischen Reich gab es die erste Logengründung in Istanbul bereits 1721, also gut 15 Jahre eher als in Deutschland (Hamburg 1738). Mit der Öffnung zu westlich geprägten Gedanken entstanden im 19. Jahrhundert weitere Logen in Istanbul, dazu in Izmir, Thessaloniki, Belgrad und Skopje, wobei Thessaloniki (damals Selânik) das Zentrum der jungtürkischen Bewegung war, die Ziya Gökalp und Kemal Atatürk geprägt hat. Die Stadt hatte eine multikulturelle Bevölkerung aus Türken, Griechen, Juden, Armeniern und vielen Europäern, ihre Logen dienten als Treffpunkte junger Offiziere, Intellektueller und Reformer, hier formierte sich auch die Trägerbewegung der Revolution von 1908.

Das Osmanische Reich, das über Jahrhunderte weite Gebiete in vorderasiatischen Raum, in Südosteuropa und im südöstlichen Mittelmeerraum beherrschte und zahllose Kriege mit Russland, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, den italienischen Staaten, Persien und selbst Schweden führte, zerfiel im 19. Jahrhundert langsam.

Drei Strömungen prägten die Gedanken und Diskussionen, wie sich das Reich für die Zukunft rüsten könne: 

  • der Pan-Ottomanismus (Ziel: die Fortsetzung des Osmanischen Reiches trotz seiner ethnischen und kulturellen Vielfalt)
  • der Pan-Islamismus (Ziel: die Einheit aller Muslime unter einem Kalifa
  • der Pan-Türkismus (Ziel: Aufbau einer modernen nationalen Gesellschaft auf Basis von Sprache, Sitte, Moral und Kunst).

Gökalp war starker Befürworter des dritten Weges, lehnte die beiden anderen als überholt und nicht zeitgemäß ab. Sein Fokus lag auf den Türkvölkern Turans (insbesondere die Türken Anatoliens, Aserbaidschaner, Turkmenen, Usbeken, Kasachen, Kirgisen, Tataren, Baschkiren, Jakuten und andere).

Atatürks „neue Türkei“ fußte auf den Ideen von Kultur und Zivilisation, einer Nation als moralisch-kultureller Gemeinschaft, sozialer Solidarität und der Laizismus.

Recep Erdoğan habe erkannt, dass die reine Westorientierung nicht dem Geist Gökalps und Atatürks entsprach. Unter seiner Führung seien die türkischsprachigen Nationen und Gemeinschaften wieder enger zusammengerückt, nicht als Reich, sondern als kulturell-strategische Union. Er habe
 Gökalps Vision eines geistigen Turan neu interpretiert.

Die Frage, ob Ziya Gökalp Freimaurer war, blieb offen, wirkliche Belege dafür gibt es nicht. Kamu aber betonte, dass die Gedankenwelt der Freimaurerei, und hier insbesondere die der europäischen Aufklärung, einen fundamentalen Einfluss auf seine Vision der neuen Türkei gehabt habe.

Ankündigung Dortmunder Museumsnacht

20. September ab 19 Uhr

Die Loge Zur alten Linde lädt die interessierte Öffentlichkeit ein, ihre Räumlichkeiten in der im ehemaligen Hochbunker an der Landgrafenstraße 170 anlässlich der Dortmunder Museumsnacht zu besichtigen.

Das Programm in Einzelnen:

Samstag, 20. September

19:00 bis 23:30 Ausstellung: Freimaurerei: eine Lebenshaltung

19:15 bis 19:45 Führung: Zwei Freimaurer führen euch durch die Logenräume und erklären was wo gemacht wird und warum.

20:00 bis 20:25 Vortrag: Was machen die Freimaurer in der Loge?

20:45 bis 21:15 Führung: Zwei Freimaurer führen euch durch die Logenräume und erklären was wo gemacht wird und warum.

21:30 bis 21:55 Vortrag: Was machen die Freimaurer in der Loge?

22:20 bis 22:20 Führung: Zwei Freimaurer führen euch durch die Logenräume und erklären was wo gemacht wird und warum.

Tag des offenen Denkmals

14. September 2025

Im Zuge der Feierlichkeiten zu ihrem 170-jährigen Bestehen hatte die Loge Zur alten Linde im Rahmen des Tags des offenen Denkmals von 14 – 19 Uhr ihre Pforten für interessierte Bürger und Bürgerinnen geöffnet, und sie kamen in Scharen! Rund 300 Personen fanden sich im Laufe der fünf Stunden ein, um an den Führungen und Vorträgen teilzunehmen.

Besonders groß war das Interesse an einer Demonstration des freimaurerischen Rituals, durchgeführt vom Meister vom Stuhl Joachim Pohlmann mit Matthias Knäpper und Arnim Schneider als Aufsehern. Vorangegangen war ein Kurzvortrag von Arnim Schneider über Rituale im Allgemeinen und die der Freimaurer im Besonderen.

Den zweiten Vortragsblock gestaltete Axel Pohlmann mit einem Kurzvortrag über Freimaurerei allgemein, den dritten Block am Abend übernahm Günther Ziethoff, der über den Umbau des Hochbunkers zum Logenhaus vor 25 Jahren berichtete.

Auch an der Museumsnacht am 20. September wird die Loge noch einmal ihre Tore öffnen. Interessenten melden sich bitte an unter mailto:sekretariat@zur-alten-linde.de.

Am 25.9. um 20 Uhr gibt es dann einen Grundsatzvortrag von Dr. Luc Turmes unter dem Thema: Von Brüderlichkeit und Toleranz bis zum freimaurerischen Geheimnis – Eine kleine Einführung in die humanistische Freimaurerei.
Auch hierzu bitten wir, sich unter der E-Mail-Adresse oben anzumelden.

„Die Brücke Dortmund e. V.“ stellt sich vor

Sommergästeabend am 24.7.25

Knapp 30 Herren – die Sommergästeabende richten sich nur an Männer – waren zum zweiten Gästeabend der Loge Zur alten Linde in der Sommerpause in die Loge gekommen, darunter einige unserer regelmäßigen Gäste.

Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl (Vorsitzender) der Loge, leitete den Abend nach langer Zeit wieder einmal mit einem kleinen Gäste-Zeremoniell ein, mit dem es immer wieder gelingt, eine besonders dichte Atmosphäre und ein hohes Aufmerksamkeitsniveau zu erreichen. Er begrüßte die beiden Referenten des Abends, Frau Dr. Verena Löffler, Vorstandsvorsitzende des Vereins „Die Brücke Dortmund e. V.“, und ihren Kollegen Benjamin Seifert, die beide sehr engagiert über ihre Arbeit berichteten. Sie führten aus, dass die intensive Nachbetreuung der Täter und nicht der Opfer im Fokus der „Brücke“ steht, was den Zuhörern einen ungewohnten Einblick und Perspektivwechsel ermöglichte.

Tatsächlich klingt es im ersten Moment wie verkehrte Welt: „Die Brücke“ kümmert sich um jugendliche Straftäter und versucht mit ihnen, einen Ausgleich mit den Opfern herzustellen. Damit beabsichtigt der Verein präventiv daran zu arbeiten, dass Täter nicht erneut straffällig werden, also präventiv zu arbeiten.

Frau Dr. Löffler gab einen Überblick über die Aufgaben des Vereins, der sich drei Schwerpunkte in der Kriminalprävention gegeben hat:

Kurve kriegen – Kooperationsprojekt mit der Polizei zur Verhinderung von Intensivstraftäterkarrieren von Kindern vor der Strafmündigkeit. Der Standort dieses Bereichs ist in Werne.

Offene Jugendarbeit – Präventive Angebote in Jugendfreizeiteinrichtungen und der Kleinen Burgholzstraße zur frühzeitigen Intervention bei Risikoverhalten, insbesondere in der Nordstadt.

Sozialkompetenz-Training – Spezialisierte Gruppenmaßnahmen für Jugendliche mit Gewaltproblematik zur Förderung gewaltfreier Konfliktlösungen.

Dr. Verena Löffler

Die Brücke macht therapeutische Angebote in den Bereichen

  • Therapie für erwachsene Sexualstraftäter
  • Fachberatung für sexuell grenzverletzende Kinder und Jugendliche
  • Diagnostik und Therapie für Minderjährige mit sexuell grenzverletzenden Verhaltensweisen
  • Täterarbeit häusliche Gewalt für Männer.

Für Straffällige gibt es Anti-Aggressivitäts-Training, Kurse zur Stärkung der Sozialkompetenz, individuelle Begleitung und Deeskalationstrainings.

Im Anschluss ging Herr Seifert auf eines seiner Spezialgebiete ein: den Täter-Opfer-Ausgleich. Er kommt insbesondere bei Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Stalking, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Betrug, Diebstahl, Einbruch, Freiheitsberaubung und räuberischer Erpressung / Raub zum Einsatz. Etwa 30-40% der Ausgleichsbemühungen sind immerhin von Erfolg gekrönt: Opfer und Täter scheiden nicht als Freunde, aber mit Achtung voreinander und ohne Angst auf Seiten des Opfers.

Weil „Die Brücke“ sich mit den Tätern „abgibt“, gestaltet sich die Finanzierung der nicht durch öffentliche Mittel gedeckten Kosten als sehr schwierig.

Die Stiftung Zur alten Linde hat dem Verein „Die Brücke“ 1.000 € als Spende überweisen.

Nachdem etliche Fragen beantwortet worden waren, schloss der Meister vom Stuhl den offiziellen Teil des Abends erneut mithilfe des Gäste-Zeremoniells. Es schlossen sich noch lange, angeregte Diskussionen an.

Kunst im Wandel der Zeit

Sommergästeabend am 10.7.25

Etwa 25 Gäste und Brüder waren beim ersten Sommergästeabend des Jahres 2025 zugegen. Friedrich Fuß, früherer Bezirksbürgermeister West, selbst ein Mann des Theaters, hatte sich des Themas „Kunst im Wandel der Zeit“ angenommen.

Kunst, die er allerdings sehr breit fasste, sei per definitionem von Menschen für Menschen gemacht, den Begriff der Schönheit wollte er ausschließlich auf Kunstobjekte angewandt wissen, ein Sonnenuntergang per se sei nicht „schön“. Die Menschwerdung würde an zwei Sachverhalten festgemacht: der Bestattung der Toten und der Entstehung von Höhlenmalereien.

Herr Fuß führte aus, dass kein Philosoph der Schönheit eine größere Bedeutung beigemessen habe als Platon. Anders verhielt es sich mit der Kunst, weil sie von der Wahrheit ablenke. Platons Schüler Aristoteles entwickelte die erste systematische Literaturtheorie und legte damit den Grundstein für ein reflektiertes künstlerisches Selbstbewusstsein, der Begriff der Nachahmung erhielt eine positive Bedeutung, dafür wurde der platonische Wahrheitsidealismus aufgegeben.

Jahrhundertelang habe danach die Vernunft regiert, das habe sich 325 n. Chr. geändert, als das Christentum Staatsreligion wurde. Alle Kunst wurde nun in den Dienst Gottes gestellt, es galt, „das Höchste“, oft auch in Form des Lichtes, darzustellen.

Erst in der Renaissance rückte der Mensch stärker in den Mittelpunkt. Nikolaus von Kues habe als erster die Individualität jedes Menschen betont. In der Wissenschaft wurde die Forderung nach Exaktheit und Überprüfbarkeit formuliert.

Die Künstler nutzten nun in ihren Werken die neuen Erkenntnisse der Anatomie und der Mathematik und erhoben die Kunst vom bloßen Handwerk des Mittelalters in den Stand einer Wissenschaft.

An die Renaissance schloss sich nach dem 30-jährigen Krieg das Barock an. Der Aussage Descartes – ich denke, also bin ich – stand das der Staat bin ich des Sonnenkönigs Ludwig des 14. diametral entgegen. Die streng realistische Kunst der Renaissance wurde spielerischer, opulent, verführerisch, der schöpferische Schwerpunkt lag in den Niederlanden. 

Im 18. Jahrhundert schloss sich das Rokoko an, wer es sich leisten konnte, entzog sich dem Absolutismus und zog sich in Privatschlösser zurück. In der neuen Welt hingegen wurden neue Staatstheorien entwickelt, die Unabhängigkeit Amerikas wird erklärt. Kant zufolge ließ sich die Schönheit weder an irgendwelchen Bestimmungen des Gegenstandes festmachen und begrifflich fassen, noch konnte etwas schon deshalb für schön gelten, weil es Lust bereitete. Kunst unterlag nun dem Geschmack, und der konnte sich ändern. Das Interesse an etwas entschied über den Grad des Gefallens. Was in der Religion der Glaube ist, sei in der Kunst der Geschmack.

Erneut schlug die Kunst um, Ende des 18. Jahrhunderts entsteht der Klassizismus und die Klassik in Musik und Literatur mit ihren Hauptvertretern Haydn, Mozart und Beethoven, Goethe, Kleist undSchiller. Die Kunst wird zunehmend politischer.

Friedrich machte dann einen Sprung in die Neuzeit und hielt ein flammendes Plädoyer für den Erhalt der Unabhängigkeit der Kunst angesichts von Bestrebungen der rechten Lager und des Islam, Kunst wieder einzuengen, politisch und religiös Einfluss zu nehmen auf die Kunst.

Er schloss mit: „In den kommenden Jahrzehnten werden Freimaurer, Schlaraffen, Lions und Rotarier, um nur einige zu nennen, gebraucht, in denen starke Persönlichkeiten sind, die Widerstand gegen den Kulturabbau leisten und zwar von Angesicht zu Angesicht, von Mensch zu Mensch, die nicht zurückweichen vor der Auseinandersetzung der anstehenden Konflikte. Ich fordere uns Brüder und Sie als unsere Gäste auf, für die freie Entfaltung eines jeden einzelnen Menschen einzutreten, das ist die Voraussetzung für eine sinnvolle Entwicklung unserer Gesellschaft, dazu braucht es unsere tätige Solidarität und verständnisvolle Toleranz, das führt zu Bildung und Kultur, deren Ausdruck die Kunst ist. Es bleibt noch viel zu tun.“