„Da muss ich an mir arbeiten“ – Silbermedaillengewinner Axel Jungk in der Loge

„Im Gespräch mit…“ am 31. Mai 2026

Axel Jungk

Als weltoffen und selbstkritisch, eloquent, reflektiert und äußerst sympathisch präsentierte sich Axel Jungk, zweimaliger Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2022 und 2026, bei der Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“ der Loge Zur alten Linde.

Und nein, trotz des Zitats in der Überschrift, das sich auf seinen Umgang mit den Konkurrenten bezog, ist er kein Freimaurer, aber es wäre eines Freimaurers würdig!

1991 im Erzgebirge geboren, stand Axel Jungk schon mit 2 Jahren auf Skiern, begann mit vier Jahren das Skispringen und brachte es bis zum sächsischen Jugendmeister darin. Seine Größe machte seinem Plan, das Skispringen weiterzuverfolgen, zunichte.

Er wechselte zum Skeleton und war dort überaus erfolgreich, brachte es bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mehrfach zur Silbermedaille, in der Mannschaftsdisziplin auch zu Gold. 

Bundeswehr, Länder- und Bundespolizei sind im Wettstreit darum, Spitzensportler in ihren Reihen zu haben, die für ihren Sport freigestellt werden. Axel Jungk ist Bundespolizist, der einmal pro Jahr zu einem Lehrgang, u.a. mit Schießtraining, fahren muss, ansonsten aber frei über seine Zeit verfügen kann.

Umrahmt von der sehr launigen An- und Abmoderation des vorsitzenden Meisters vom Stuhl der Loge, Joachim Pohlmann, waren Jan Pogadl und Martin Staubach als souveräne Interviewer tätig, die mit ihren Fragen und den spannenden Antworten das Ganze zu einem mitreißenden Vormittag machten.

Der Skeleton-Schlitten ist ein Wunder an Ingenieurskunst mit 38 kg Gewicht (Fahrer und Schlitten zusammen dürfen 120 kg nicht überschreiten), in den jedes Jahr aufs Neue sehr viel Entwicklungs- und Detailarbeit gesteckt wird, die zu Änderungen führen, die dann im Folgejahr im Reglement wieder verboten werden, wie auch die Änderung des Anzugs 2022 („Drachenschultern“).

Beim Training ist der Athlet weitgehend selbstbestimmt, er darf nur geringe Brustmuskeln haben, um den Windwiderstand gering zu halten, und sehr viel Schnellkraft trainieren, ganz wie ein Sprinter, aber unter erschwerten Bedingungen wegen der gebückten Haltung beim Anlauf. 

Jan-Joschka Pogadl, Axel Jungk, Martin Staubach, Hans-Joachim Pohlmann (v.l.)

Axel Jungk erläuterte am Schlitten die Feinheiten des Steuerns mit den Knien, durch Verziehen der Schulter und durch die Veränderung der Kopfhaltung, wobei der Kopf bei den hohen Geschwindigkeiten (bis über 140 km/h) durch die g-Kräfte ständig auf das Eis aufschlägt. Steuern mit den Füßen wird weitestgehend vermieden, da es den Schlitten zu sehr abbremst.

Unser Gast erläuterte die physischen und psychischen Belastungen, denen man als Einzelkämpfer im Spitzensport ausgesetzt ist. Die körperlichen Belastungen ständig an die Grenzen des Machbaren zu bringen, sei einfach nicht gesund, und der Stress, dem man sich aussetze, sei schon gewaltig groß.

Schon im Vorgespräch hatte er anklingen lassen, dass ihm die politische Situation in Sachsen nicht geheuer und eigentlich, angesichts des guten Schulsystems, auch eher schleierhaft sei. So überraschte es dann nicht mehr, dass er in einer der Schnellfragerunden à la Maischberger die Frage „Borussia Dortmund oder Dynamo Dresden“ zugunsten des BVB beantwortete.

Das Feedback aus der Zuhörerschaft war überaus positiv, die 90 Minuten gingen wie im Flug vorbei.

Die Loge wird diese Veranstaltungsform im Herbst fortsetzen.

Erläuterungen am Skeleton
Zweimal olympisches Silber

Ein Silbermedaillengewinner in der Loge

Ankündigung „Im Gespräch mit…“ am 31. Mai 2026

 Axel Jungk ist gebürtiger Sachse, kommt aus dem Erzgebirge. Seine Wahlheimat ist Dortmund, wo er zum Olympiakader der Winterspiele gehört. Zweimal bereits hat er bei Olympischen Spielen eine Silbermedaille in der Skeleton-Abfahrt gewonnen, zuletzt in diesem Winter in Cortina d’Ampezzo.

Wir, die Loge Zur alten Linde, freuen uns sehr, dass er im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“ unser Gesprächspartner sein wird, und zwar am

31. Mai 2026 ab 10:30 Uhr

in unseren Logenräumen in der Landgrafenstraße 170 in Dortmund.

Interessierte Damen und Herren sind eingeladen, an dieser Gesprächsrunde teilzunehmen, Fragen aus der Publikum werden elektronisch gesammelt und am Ende gestellt.

Interviewer und Gesprächspartner von Axel Jungk werden Jan-Joschka Pogadl und Martin Staubach sein.

Bei Interesse senden Sie bitte an unser Sekretariat.

„Parallele Linien haben eine gemeinsame Richtung“

Großer Gästeabend am 12. Februar 2026

„Kraft der Parallelität: Die Freimaurerinnen“

– unter diesem Titel hielt Frau Dr. Antje Hansen, bis 2022 Großmeisterin und damit die 1. Vorsitzende der Frauengroßloge von Deutschland, ihr Grundsatzreferat beim traditionellen „großen Gästeabend“ der Loge Zur alten Linde, der sich immer an den Neujahrsempfang anschließt und neuen Gästen einen tieferen Einblick in die Freimaurerei gewähren soll.

Das Konzept, zu diesem Vortrag einmal eine Frau einzuladen und damit einen Perspektivwechsel vorzunehmen, ist voll aufgegangen, deutlich über 60 Teilnehmer – viele davon Frauen, einige. auch „Schwestern“, also Freimaurerinnen – waren trotz Weiberfastnacht erschienen.

Eingeleitet wurde der Abend durch ein kleines Ritual für Gäste, das den Anwesenden einen Eindruck davon vermitteln sollte, was bei den Freimaurern „hinter verschlossenen Türen“ passiert.

Danach begrüßte Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl der Loge, das Publikum und stellte die Referentin vor. Frau Dr. Hansen habe als promovierte Chemikerin sicher einen klaren, eben naturwissenschaftlichen Blick auf die Dinge, meinte er. Seine Bemerkung, dass es doch ungewöhnlich sei, wenn eine Kölnerin ausgerechnet in Düsseldorf in die Loge ginge, konterte Frau Dr. Hansen damit, dass ihr Fahrtweg in die Düsseldorfer Loge, in die sie 1998 aufgenommen worden sei, nur fünf Minuten länger als zur Loge in Köln sei, und dafür würde keine Freimaurerin und kein Freimaurer die Loge wechseln.

Sr. Hansen bemühte dann das philosophische Konzept der Alterität (Andersartigkeit) und stellte klar, dass Frauenlogen nicht als „Defizit“ oder als „Abweichung vom ‚männlichen Standard‘“, sondern als eine eigenständige Entwicklung innerhalb der Freimaurerei betrachtet werden müssen.

Die erste Frauenloge „Zur Humanität“ in Deutschland sei in Berlin bereits 1949 gegründet worden, und zwar unter tätiger Mithilfe bedeutender deutscher Freimaurer. Von ihren Mitbrüdern ausgegrenzt, suchten und fanden die Frauen eigene Lösungen, die teilweise etwas Anekdotenhaftes hätten, so habe man statt des sonst in der Freimaurerei üblichen blau die Farbe Lila zur tragenden Farbe gewählt. Während die männliche Freimaurerei die drei Grade Lehrling, Geselle und Meister kennt, hätten die Frauen über Jahrzehnte in ihren Reihen nur den Lehrlingsgrad praktiziert. 

Auch die Hoffnung, von der starken französischen Frauen-Freimaurerei Unterstützung bei den Ritualen zu erhalten, sei an an deren Totalitätsanspruch gescheitert, so sei man selbst kreativ gewesen. Mehr Hilfe erhalte die Frauengroßloge von der 1982 gegründeten Dachorganisation CLIMAF (Centre de Liaison Maçonnique Féminine) zur Förderung und Unterstützung der nationalen Frauengroßlogen.

Über ganz Deutschland verteilt gebe es zur Zeit 32 Logen mit über 600 Mitgliedern. Im Gegensatz zu anachronistischen amerikanischen Traditionen sei die moderne Frauenfreimaurerei kein schöner Widerschein der männlichen, sondern eine eigenständige Fortsetzung der königlichen Kunst durch Menschen weiblichen Geschlechts. 

Sprachlich seien alle männlichen Formen verweiblicht worden (Gesellin, Meisterin, Aufseherin, Beamtin etc.), lediglich über den Begriff der Brüderlichkeit gebe es immer wieder eine Grundsatzdiskussion, er sei bislang unverändert übernommen worden. In den deutschen Sprachgebrauch eingeführt worden war er durch die Übersetzung des Leitmotivs der Französischen Revolution Liberté, Egalité, Fraternité in „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und er hat seitdem auch die Konnotation der Solidarität, die dem Begriff „Schwesterlichkeit“ fehle.

Symbol der Frauengroßloge v. Deutschland

Sr. Hansen meinte, dass Frauen es eigentlich immer bei der Wahl angemessener Kleidung leichter haben als die Männer, so trügen sie bei der Arbeit schwarze Kleidung, was, spiele keine Rolle. Auch für die Schwestern sei Loge ein Rückzugsort vom Alltag, ein Freiraum zum Durchatmen unter Gleichgesinnten.

Auch die Frauenlogen seien um öffentliche Wahrnehmung bemüht. Die innerfreimaurerische Auseinandersetzung mit der männlichen Freimaurerei – die Alterität – werde als Aufgabe und als Chance für Weiterentwicklung gesehen. Eben Parallelität, nicht Einheit.

So habe sie die Einladung der Loge als gelungenen Ansatz für diese Auseinandersetzung verstanden und sei gerne gekommen. Es war ein überaus bemerkenswerter Vortrag, für den sie lang anhaltenden Applaus erhielt. In vielen kleinen Gruppen wurde im Anschluss noch intensiv weiter diskutiert. 

Stiftungsmatinee 2025

Sonntag, 14.12.2025, 11-15 Uhr

Einmal im Jahr lädt die Loge Zur alten Linde Schwestern und Brüder, Gäste und Freunde zu einer vorweihnachtlichen Matinee zugunsten ihrer gemeinnützigen Stiftung Zur alten Linde ein. In einem durchaus festlichen Rahmen werden dabei im abgelaufenen Jahr geförderte Projekte vorgestellt, ein Musikprogramm aufgeführt und gut gegessen.

Das Ganze ist dabei nicht uneigennützig, die Stiftung erhofft sich dabei Spenden, die sie dann für neue Projekte ausgeben oder zugunsten des Stiftungsvermögens zustiften kann.

Nach der Begrüßung der Anwesenden durch Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl und damit 1. Vorsitzender der Loge, richtete Frau Bürgermeisterin Ute Mais ein paar Grußworte an die Gäste und entschuldigte dabei Oberbürgermeister Alexander Kalouti.

Sehr launig führte sodann Christian Strupp, seit vielen Jahren Sprecher des Stiftungsbeirats, durch das weitere Programm. Als erstes bat er Dr. Verena Löffler um ihren Bericht. Sie stellte den Verein Die Brücke e.V. vor, der sich ein Tabuthema auf die Fahnen geschrieben hat, das kaum vermittelbar ist und für das es schwer fällt, Geldgeber zu gewinnen: die Arbeit mit (jugendlichen) Sexualstraftätern.

Ihr Vorstandskollege Volker Schattenberg ging dann auf seinen Schwerpunktbereich Therapie ein und führte aus, dass Menschen mit gesellschaftlich nicht akzeptierten Sexualvorlieben, etwa Pädophile, oft von sich aus Beratung und Therapie suchen, das Geld aber fehlt, um hier präventiv wirken zu können. Solche Menschen sind dann häufig suizidgefährdet. Die Stiftung Zur alten Linde ist hier mit insgesamt 3000 Euro unterstützend tätig gewesen.

Das zweite Projekt, das die Stiftung im Jahr 2025 mit insgesamt 5000 Euro unterstützt hat, war „Jedem Kind ein Instrument“ am Reinoldus-Schiller-Gymnasium. Zwei Damen des Kollegiums stellten das Projekt vor, das binnen drei Jahren zu fast einer Verdreifachung des Instrumentenbedarfs auf 72 Instrumente im Schuljahr 25/26 angewachsen ist. Die Stiftung hat 5000 Euro beigesteuert.

Den kulturellen Höhepunkt bildete dann aber der Auftritt der beiden Künstler, der Sopranistin Laura Metzemacher und des Dirigenten und Pianisten Martin Fratz.

Dr. Verena Löffler, Vorstandsvorsitzende „Die Brücke“

„Von ewiger Liebe und anderen Abenteuern“ hieß das Programm, das die beiden vorstellten und das die Zuhörer und Zuschauer mit Liedern und Chansons aus mehreren Jahrhunderten begeisterte.

Frau Metzemacher entpuppte sich dabei auch als exzellente Darstellerin, die gewitzt, gewagt und pointiert das Gesungene auch vorspielte, dabei teilweise mit Herrn Fratz in eine Art Dialog eintrat.

Auch kulinarisch hatte die Matinee einiges zu bieten: Ein reichhaltiges und üppiges Büffet von Kilimanjaro hatte afrikanische und asiatische Besonderheiten auf dem Programm.

Insgesamt ein sehr gelungener Sonntagmittag, der die rund 80 Gäste mehr als zufrieden stellte und bei manchem die Bereitschaft, für Projekte wie die vorgestellten zusätzlich Geld zu geben, erhöht haben dürfte.

Wer mit der Stiftung Zur alten Linde in Kontakt treten möchte, kann das über den Link https://www.zur-alten-linde.de/stiftung-zur-alten-linde/ tun.

Ankündigung 30. Neujahrsempfang

25. Januar 2026, ab 10:30 Uhr, Westfälischer Industrieklub, Markt 6-8 in Dortmund

Es war im Januar des Jahres 1995, dass die Loge Zur alten Linde einen ersten zaghaften Versuch unternahm, einen Neujahrsempfang zu veranstalten. Man war (und ist) ein Männerbund, also lud man nur Männer ein. Und man traf sich in den Räumen der Loge Zur alten Linde, die damals noch in der Jüdischen Kultusgemeinde beherbergt war. Der Rahmen der Veranstaltung war vergleichsweise bescheiden.

Zwei Jahre später bereits ging man in die Öffentlichkeit, ins „Tortenstück“ des Harenberg City Centers, dorthin, wo damals Kultur in Dortmund zelebriert wurde. Vor zehn Jahren wurde der Ort erneut verlegt in den Westfälischen Industrieklub, mit Blick auf den Alten Markt.

Mit Stolz lädt die Loge Zur alten Linde nun zu ihrem 30. Neujahrsempfang ein (es gab zwischenzeitlich zwei Jahre Corona-Pause). Festredner wird mit Klaus Wegener der Präsident der Ausslandsgesellschaft. Herr Wegener ist Honorarkonsul der Slowakischen Republik und Ehrenbürger der Stadt Duna (Palästina), er ist Journalist und Betriebswirt, war Hörfunkkorrespondent in den USA und kennt sich mit den transatlantischen Beziehungen, die uns aktuell fast täglich in den Berichterstattungen begegnen, hervorragend aus.

Der Titel seines Vortrags lautet

Wohin Trump(eln) wir?

project 2025 und die Folgen

Für den musikalischen Rahmen zeichnet das Arie Duo, Anita Farkas (Querflöte) und Juan Carlos Arancibia (Gitarre), verantwortlich, das an dieser und anderen Stellen schon häufiger für Furore gesorgt hat.

Wie schon erstmalig im vergangenen Jahr laden wir im Anschluss an den „offiziellen Teil“ zum Verweilen ein, um bei Getränken und Currywurst / Falafel mit Minzesauce das Gehörte an den Stehtischen vertiefen zu können.

Die Veranstaltung richtet sich nur an eingeladene Damen und Herren. Interessenten wenden sich bitte an sekretariat@zur-alten-linde.de.

Klaus Wegener
Arie Duo

(Gestaltung des Titelbildes: Christian Strupp)

Im Gespräch mit… – Stadtdirektor Jörg Stüdemann

16. November 2025

Über 70 interessierte Damen und Herren waren am Sonntag, den 16.11.25, erschienen, um unserer in unregelmäßiger Reihenfolge stattfindenden Runde „Im Gespräch mit…“ beizuwohnen.

Nachdem der Vorsitzende der Loge, der Meister vom Stuhl, Herrn Stüdemann als Urgestein der Dortmunder Stadtspitze launig vorgestellt und begrüßt hatte – die beiden kennen und schätzen sich schon seit Jahren insbesondere aus dem Kulturausschuss –, nahm dieser auf dem Meisterstuhl zwischen den beiden Brüdern Hardy S. (wir respektieren den Wunsch eines Bruders nach Anonymität in der Öffentlichkeit) und dem Journalisten Dirk Planert Platz, die die Gesprächsführung übernahmen.

Rasch entspann sich ein sehr interessantes Gespräch, bei dem die Zuhörer unserem Gast regelrecht an den Lippen hingen.

Herr Stüdemann präsentierte sich als ein Kulturpolitiker, wie man sich ihn nicht besser vorstellen kann. Sachkundig auch im Detail, sowohl in den angesprochenen Kulturfragen als auch in Themen des überaus komplexen Haushalts einer Großstadt, war er wortgewaltig, dabei nicht aus der Ruhe zu bringen, eloquent und schlagfertig.

Die Themen waren breit gestreut So wurde Persönliches gefragt, etwa, ob er das Lehrerstudium als die richtige Voraussetzung für sein Berufsleben empfand. Er bejahte das, weil die Germanistik ihn auf das Literaturverständnis und damit einen Teil der Kunst vorbereitet habe, und er in Sozialwissenschaften den Schwerpunkt Wirtschaft belegt hatte. 

Im Kulturbereich hob er darauf ab, dass die Städte im Ruhrgebiet und im Norden relativ am Gesamthaushalt mit unter 5% deutlich weniger für die Kultur ausgäben als die Städte im Süden.

Zudem verteidigte er die Höhe der Kulturausgaben mit dem Hinweis darauf, dass in den vergangenen Jahrhunderten

für die Entwicklung des Kulturell-Geistigen durch den Bau von Kirchen und Klöstern anteilig deutlich mehr ausgegeben worden sei. Er betonte die kulturelle Vielfalt unserer Stadt und hob auch auf die Bedeutung für die Wissenschaft ab, so sei Dortmund nach Berlin der größte Standort für digitale Kultur mit eigenem Masterstudiengang.

Für den Stadthaushalt beschrieb er, wie wichtig es für die Stadt sei, nicht unter der Finanzaufsicht der Bezirksregierung zu stehen und welcher (legitimen und legalen!) buchhalterischen Kunstgriffe es gelegentlich bedurfte, das weiterhin sicherzustellen. Er betonte aber auch, dass die Ausgaben der Stadt heute deutlich mehr von Investitionen geprägt seien, hier insbesondere in den Bau von Kindergärten und Schulen, als noch vor Jahren. Dortmund sei eine durchaus vermögende Stadt, auch wenn die konsumptiven Ausgaben nach wie vor über einer Milliarde Euro lägen.

Der Journalist Jens Krömer hatte als die „Brigitte Büscher“ aus „hart aber fair“ (so seine Worte) online Fragen der Besucher gesammelt und trug diese vor.

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung standen viele Besucher noch lange beisammen und diskutierten das Gehörte. Es war ein überaus gelungener Vormittag, der Lust machte auf die nächste derartige Veranstaltung.

Ankündigung „Im Gespräch mit…“

Sonntag, 16. November, ab 10:30 Uhr

Zum vierten Mal seit der Wiederaufnahme ihrer Reihe „Im Gespräch mit…“ lädt die Loge zur alten Linde interessierte Damen und Herren ein, diesem Format beizuwohnen.

Jörg Stüdemann ist Kämmerer und somit Wächter über den Haushalt der Stadt Dortmund, der, wie bei vielen anderen Großstädten auch, nicht über genügend Finanzmittel verfügt, die vielen Lücken zu stopfen.

Als Kulturdezernent hat er gleichzeitig die Aufgabe, nicht nur die Kleinkunst zu fördern, sondern auch den visionären Vorstellungen von Tobias Ehinger, dem Chef der Dortmunder Bühnenwelt, gerecht zu werden. Wie er den Spagat zwischen diesen Ämtern schafft, ist eine der vielen Fragen, auf die Herr Stüdemann sicherlich eingehen wird.

Interessierte Damen und Herren bitten wir, sich an das Sekretariat der Loge unter der E-Mail-Adresse Sekretariat zu wenden, wir laden sie gern ein.

Logenhaus im ehemaligen Hochbunker (KI-überarbeitet)

Ziya Gökalp – ein Freimaurer zwischen Atatürk und Erdoğan

23. Oktober 2025

Etwa 10 Herren waren am 23. Oktober zu Gast in der Loge Zur alten Linde zu einem Gästeabend. Unser Bruder K. Sezer hatte sich das Idol seiner Zeit des Erwachsenwerdens als Aufhänger für seinen spannenden Vortrag ausgesucht: Ziya Gökalp, Vordenker dessen, was wir gern als die „moderne Türkei“ bezeichnen. 

Foto: Wikipedia

Seine These: Gökalp, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Osmanischen Reich lebte, hat gleichermaßen Einfluss auf das Wirken Kemal Atatürks zur Staatsgründung der Türkei gehabt, beeinflusst aber auch heute noch Recep Erdoğan, den aktuellen Präsidenten der Türkei. Gleichzeitig ging Herr Sezer dabei der Frage nach, ob – und wenn ja, wie – die Ideale der Freimaurerei die Gedankenwelt Gökalps beeinflusst haben.

Zunächst beschrieb er die Situation der Freimaurerei in der heutigen Türkei. Mit 18.000 Brüdern gibt es dort mehr Freimaurer als in Deutschland (16.000) bei ähnlicher Bevölkerungszahl, allerdings konzentrieren sich die etwa 270 Logen auf nur 24 Städte. 

Im Osmanischen Reich gab es die erste Logengründung in Istanbul bereits 1721, also gut 15 Jahre eher als in Deutschland (Hamburg 1738). Mit der Öffnung zu westlich geprägten Gedanken entstanden im 19. Jahrhundert weitere Logen in Istanbul, dazu in Izmir, Thessaloniki, Belgrad und Skopje, wobei Thessaloniki (damals Selânik) das Zentrum der jungtürkischen Bewegung war, die Ziya Gökalp und Kemal Atatürk geprägt hat. Die Stadt hatte eine multikulturelle Bevölkerung aus Türken, Griechen, Juden, Armeniern und vielen Europäern, ihre Logen dienten als Treffpunkte junger Offiziere, Intellektueller und Reformer, hier formierte sich auch die Trägerbewegung der Revolution von 1908.

Das Osmanische Reich, das über Jahrhunderte weite Gebiete in vorderasiatischen Raum, in Südosteuropa und im südöstlichen Mittelmeerraum beherrschte und zahllose Kriege mit Russland, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, den italienischen Staaten, Persien und selbst Schweden führte, zerfiel im 19. Jahrhundert langsam.

Drei Strömungen prägten die Gedanken und Diskussionen, wie sich das Reich für die Zukunft rüsten könne: 

  • der Pan-Ottomanismus (Ziel: die Fortsetzung des Osmanischen Reiches trotz seiner ethnischen und kulturellen Vielfalt)
  • der Pan-Islamismus (Ziel: die Einheit aller Muslime unter einem Kalifa
  • der Pan-Türkismus (Ziel: Aufbau einer modernen nationalen Gesellschaft auf Basis von Sprache, Sitte, Moral und Kunst).

Gökalp war starker Befürworter des dritten Weges, lehnte die beiden anderen als überholt und nicht zeitgemäß ab. Sein Fokus lag auf den Türkvölkern Turans (insbesondere die Türken Anatoliens, Aserbaidschaner, Turkmenen, Usbeken, Kasachen, Kirgisen, Tataren, Baschkiren, Jakuten und andere).

Atatürks „neue Türkei“ fußte auf den Ideen von Kultur und Zivilisation, einer Nation als moralisch-kultureller Gemeinschaft, sozialer Solidarität und der Laizismus.

Recep Erdoğan habe erkannt, dass die reine Westorientierung nicht dem Geist Gökalps und Atatürks entsprach. Unter seiner Führung seien die türkischsprachigen Nationen und Gemeinschaften wieder enger zusammengerückt, nicht als Reich, sondern als kulturell-strategische Union. Er habe
 Gökalps Vision eines geistigen Turan neu interpretiert.

Die Frage, ob Ziya Gökalp Freimaurer war, blieb offen, wirkliche Belege dafür gibt es nicht. Kamu aber betonte, dass die Gedankenwelt der Freimaurerei, und hier insbesondere die der europäischen Aufklärung, einen fundamentalen Einfluss auf seine Vision der neuen Türkei gehabt habe.

Ankündigung Dortmunder Museumsnacht

20. September ab 19 Uhr

Die Loge Zur alten Linde lädt die interessierte Öffentlichkeit ein, ihre Räumlichkeiten in der im ehemaligen Hochbunker an der Landgrafenstraße 170 anlässlich der Dortmunder Museumsnacht zu besichtigen.

Das Programm in Einzelnen:

Samstag, 20. September

19:00 bis 23:30 Ausstellung: Freimaurerei: eine Lebenshaltung

19:15 bis 19:45 Führung: Zwei Freimaurer führen euch durch die Logenräume und erklären was wo gemacht wird und warum.

20:00 bis 20:25 Vortrag: Was machen die Freimaurer in der Loge?

20:45 bis 21:15 Führung: Zwei Freimaurer führen euch durch die Logenräume und erklären was wo gemacht wird und warum.

21:30 bis 21:55 Vortrag: Was machen die Freimaurer in der Loge?

22:20 bis 22:20 Führung: Zwei Freimaurer führen euch durch die Logenräume und erklären was wo gemacht wird und warum.