„Parallele Linien haben eine gemeinsame Richtung“

Großer Gästeabend am 12. Februar 2026

„Kraft der Parallelität: Die Freimaurerinnen“

– unter diesem Titel hielt Frau Dr. Antje Hansen, bis 2022 Großmeisterin und damit die 1. Vorsitzende der Frauengroßloge von Deutschland, ihr Grundsatzreferat beim traditionellen „großen Gästeabend“ der Loge Zur alten Linde, der sich immer an den Neujahrsempfang anschließt und neuen Gästen einen tieferen Einblick in die Freimaurerei gewähren soll.

Das Konzept, zu diesem Vortrag einmal eine Frau einzuladen und damit einen Perspektivwechsel vorzunehmen, ist voll aufgegangen, deutlich über 60 Teilnehmer – viele davon Frauen, einige. auch „Schwestern“, also Freimaurerinnen – waren trotz Weiberfastnacht erschienen.

Eingeleitet wurde der Abend durch ein kleines Ritual für Gäste, das den Anwesenden einen Eindruck davon vermitteln sollte, was bei den Freimaurern „hinter verschlossenen Türen“ passiert.

Danach begrüßte Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl der Loge, das Publikum und stellte die Referentin vor. Frau Dr. Hansen habe als promovierte Chemikerin sicher einen klaren, eben naturwissenschaftlichen Blick auf die Dinge, meinte er. Seine Bemerkung, dass es doch ungewöhnlich sei, wenn eine Kölnerin ausgerechnet in Düsseldorf in die Loge ginge, konterte Frau Dr. Hansen damit, dass ihr Fahrtweg in die Düsseldorfer Loge, in die sie 1998 aufgenommen worden sei, nur fünf Minuten länger als zur Loge in Köln sei, und dafür würde keine Freimaurerin und kein Freimaurer die Loge wechseln.

Sr. Hansen bemühte dann das philosophische Konzept der Alterität (Andersartigkeit) und stellte klar, dass Frauenlogen nicht als „Defizit“ oder als „Abweichung vom ‚männlichen Standard‘“, sondern als eine eigenständige Entwicklung innerhalb der Freimaurerei betrachtet werden müssen.

Die erste Frauenloge „Zur Humanität“ in Deutschland sei in Berlin bereits 1949 gegründet worden, und zwar unter tätiger Mithilfe bedeutender deutscher Freimaurer. Von ihren Mitbrüdern ausgegrenzt, suchten und fanden die Frauen eigene Lösungen, die teilweise etwas Anekdotenhaftes hätten, so habe man statt des sonst in der Freimaurerei üblichen blau die Farbe Lila zur tragenden Farbe gewählt. Während die männliche Freimaurerei die drei Grade Lehrling, Geselle und Meister kennt, hätten die Frauen über Jahrzehnte in ihren Reihen nur den Lehrlingsgrad praktiziert. 

Auch die Hoffnung, von der starken französischen Frauen-Freimaurerei Unterstützung bei den Ritualen zu erhalten, sei an an deren Totalitätsanspruch gescheitert, so sei man selbst kreativ gewesen. Mehr Hilfe erhalte die Frauengroßloge von der 1982 gegründeten Dachorganisation CLIMAF (Centre de Liaison Maçonnique Féminine) zur Förderung und Unterstützung der nationalen Frauengroßlogen.

Über ganz Deutschland verteilt gebe es zur Zeit 32 Logen mit über 600 Mitgliedern. Im Gegensatz zu anachronistischen amerikanischen Traditionen sei die moderne Frauenfreimaurerei kein schöner Widerschein der männlichen, sondern eine eigenständige Fortsetzung der königlichen Kunst durch Menschen weiblichen Geschlechts. 

Sprachlich seien alle männlichen Formen verweiblicht worden (Gesellin, Meisterin, Aufseherin, Beamtin etc.), lediglich über den Begriff der Brüderlichkeit gebe es immer wieder eine Grundsatzdiskussion, er sei bislang unverändert übernommen worden. In den deutschen Sprachgebrauch eingeführt worden war er durch die Übersetzung des Leitmotivs der Französischen Revolution Liberté, Egalité, Fraternité in „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und er hat seitdem auch die Konnotation der Solidarität, die dem Begriff „Schwesterlichkeit“ fehle.

Symbol der Frauengroßloge v. Deutschland

Sr. Hansen meinte, dass Frauen es eigentlich immer bei der Wahl angemessener Kleidung leichter haben als die Männer, so trügen sie bei der Arbeit schwarze Kleidung, was, spiele keine Rolle. Auch für die Schwestern sei Loge ein Rückzugsort vom Alltag, ein Freiraum zum Durchatmen unter Gleichgesinnten.

Auch die Frauenlogen seien um öffentliche Wahrnehmung bemüht. Die innerfreimaurerische Auseinandersetzung mit der männlichen Freimaurerei – die Alterität – werde als Aufgabe und als Chance für Weiterentwicklung gesehen. Eben Parallelität, nicht Einheit.

So habe sie die Einladung der Loge als gelungenen Ansatz für diese Auseinandersetzung verstanden und sei gerne gekommen. Es war ein überaus bemerkenswerter Vortrag, für den sie lang anhaltenden Applaus erhielt. In vielen kleinen Gruppen wurde im Anschluss noch intensiv weiter diskutiert.