„Die Brücke Dortmund e. V.“ stellt sich vor
Sommergästeabend am 24.7.25
Knapp 30 Herren – die Sommergästeabende richten sich nur an Männer – waren zum zweiten Gästeabend der Loge Zur alten Linde in der Sommerpause in die Loge gekommen, darunter einige unserer regelmäßigen Gäste.
Joachim Pohlmann, Meister vom Stuhl (Vorsitzender) der Loge, leitete den Abend nach langer Zeit wieder einmal mit einem kleinen Gäste-Zeremoniell ein, mit dem es immer wieder gelingt, eine besonders dichte Atmosphäre und ein hohes Aufmerksamkeitsniveau zu erreichen. Er begrüßte die beiden Referenten des Abends, Frau Dr. Verena Löffler, Vorstandsvorsitzende des Vereins „Die Brücke Dortmund e. V.“, und ihren Kollegen Benjamin Seifert, die beide sehr engagiert über ihre Arbeit berichteten. Sie führten aus, dass die intensive Nachbetreuung der Täter und nicht der Opfer im Fokus der „Brücke“ steht, was den Zuhörern einen ungewohnten Einblick und Perspektivwechsel ermöglichte.
Tatsächlich klingt es im ersten Moment wie verkehrte Welt: „Die Brücke“ kümmert sich um jugendliche Straftäter und versucht mit ihnen, einen Ausgleich mit den Opfern herzustellen. Damit beabsichtigt der Verein präventiv daran zu arbeiten, dass Täter nicht erneut straffällig werden, also präventiv zu arbeiten.
Frau Dr. Löffler gab einen Überblick über die Aufgaben des Vereins, der sich drei Schwerpunkte in der Kriminalprävention gegeben hat:
Kurve kriegen – Kooperationsprojekt mit der Polizei zur Verhinderung von Intensivstraftäterkarrieren von Kindern vor der Strafmündigkeit. Der Standort dieses Bereichs ist in Werne.
Offene Jugendarbeit – Präventive Angebote in Jugendfreizeiteinrichtungen und der Kleinen Burgholzstraße zur frühzeitigen Intervention bei Risikoverhalten, insbesondere in der Nordstadt.
Sozialkompetenz-Training – Spezialisierte Gruppenmaßnahmen für Jugendliche mit Gewaltproblematik zur Förderung gewaltfreier Konfliktlösungen.
Die Brücke macht therapeutische Angebote in den Bereichen
- Therapie für erwachsene Sexualstraftäter
- Fachberatung für sexuell grenzverletzende Kinder und Jugendliche
- Diagnostik und Therapie für Minderjährige mit sexuell grenzverletzenden Verhaltensweisen
- Täterarbeit häusliche Gewalt für Männer.
Für Straffällige gibt es Anti-Aggressivitäts-Training, Kurse zur Stärkung der Sozialkompetenz, individuelle Begleitung und Deeskalationstrainings.
Im Anschluss ging Herr Seifert auf eines seiner Spezialgebiete ein: den Täter-Opfer-Ausgleich. Er kommt insbesondere bei Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Stalking, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Betrug, Diebstahl, Einbruch, Freiheitsberaubung und räuberischer Erpressung / Raub zum Einsatz. Etwa 30-40% der Ausgleichsbemühungen sind immerhin von Erfolg gekrönt: Opfer und Täter scheiden nicht als Freunde, aber mit Achtung voreinander und ohne Angst auf Seiten des Opfers.
Weil „Die Brücke“ sich mit den Tätern „abgibt“, gestaltet sich die Finanzierung der nicht durch öffentliche Mittel gedeckten Kosten als sehr schwierig.
Die Stiftung Zur alten Linde hat dem Verein „Die Brücke“ 1.000 € als Spende überweisen.
Nachdem etliche Fragen beantwortet worden waren, schloss der Meister vom Stuhl den offiziellen Teil des Abends erneut mithilfe des Gäste-Zeremoniells. Es schlossen sich noch lange, angeregte Diskussionen an.