Kunst im Wandel der Zeit

Sommergästeabend am 10.7.25

Etwa 25 Gäste und Brüder waren beim ersten Sommergästeabend des Jahres 2025 zugegen. Friedrich Fuß, früherer Bezirksbürgermeister West, selbst ein Mann des Theaters, hatte sich des Themas „Kunst im Wandel der Zeit“ angenommen.

Kunst, die er allerdings sehr breit fasste, sei per definitionem von Menschen für Menschen gemacht, den Begriff der Schönheit wollte er ausschließlich auf Kunstobjekte angewandt wissen, ein Sonnenuntergang per se sei nicht „schön“. Die Menschwerdung würde an zwei Sachverhalten festgemacht: der Bestattung der Toten und der Entstehung von Höhlenmalereien.

Herr Fuß führte aus, dass kein Philosoph der Schönheit eine größere Bedeutung beigemessen habe als Platon. Anders verhielt es sich mit der Kunst, weil sie von der Wahrheit ablenke. Platons Schüler Aristoteles entwickelte die erste systematische Literaturtheorie und legte damit den Grundstein für ein reflektiertes künstlerisches Selbstbewusstsein, der Begriff der Nachahmung erhielt eine positive Bedeutung, dafür wurde der platonische Wahrheitsidealismus aufgegeben.

Jahrhundertelang habe danach die Vernunft regiert, das habe sich 325 n. Chr. geändert, als das Christentum Staatsreligion wurde. Alle Kunst wurde nun in den Dienst Gottes gestellt, es galt, „das Höchste“, oft auch in Form des Lichtes, darzustellen.

Erst in der Renaissance rückte der Mensch stärker in den Mittelpunkt. Nikolaus von Kues habe als erster die Individualität jedes Menschen betont. In der Wissenschaft wurde die Forderung nach Exaktheit und Überprüfbarkeit formuliert.

Die Künstler nutzten nun in ihren Werken die neuen Erkenntnisse der Anatomie und der Mathematik und erhoben die Kunst vom bloßen Handwerk des Mittelalters in den Stand einer Wissenschaft.

An die Renaissance schloss sich nach dem 30-jährigen Krieg das Barock an. Der Aussage Descartes – ich denke, also bin ich – stand das der Staat bin ich des Sonnenkönigs Ludwig des 14. diametral entgegen. Die streng realistische Kunst der Renaissance wurde spielerischer, opulent, verführerisch, der schöpferische Schwerpunkt lag in den Niederlanden. 

Im 18. Jahrhundert schloss sich das Rokoko an, wer es sich leisten konnte, entzog sich dem Absolutismus und zog sich in Privatschlösser zurück. In der neuen Welt hingegen wurden neue Staatstheorien entwickelt, die Unabhängigkeit Amerikas wird erklärt. Kant zufolge ließ sich die Schönheit weder an irgendwelchen Bestimmungen des Gegenstandes festmachen und begrifflich fassen, noch konnte etwas schon deshalb für schön gelten, weil es Lust bereitete. Kunst unterlag nun dem Geschmack, und der konnte sich ändern. Das Interesse an etwas entschied über den Grad des Gefallens. Was in der Religion der Glaube ist, sei in der Kunst der Geschmack.

Erneut schlug die Kunst um, Ende des 18. Jahrhunderts entsteht der Klassizismus und die Klassik in Musik und Literatur mit ihren Hauptvertretern Haydn, Mozart und Beethoven, Goethe, Kleist undSchiller. Die Kunst wird zunehmend politischer.

Friedrich machte dann einen Sprung in die Neuzeit und hielt ein flammendes Plädoyer für den Erhalt der Unabhängigkeit der Kunst angesichts von Bestrebungen der rechten Lager und des Islam, Kunst wieder einzuengen, politisch und religiös Einfluss zu nehmen auf die Kunst.

Er schloss mit: „In den kommenden Jahrzehnten werden Freimaurer, Schlaraffen, Lions und Rotarier, um nur einige zu nennen, gebraucht, in denen starke Persönlichkeiten sind, die Widerstand gegen den Kulturabbau leisten und zwar von Angesicht zu Angesicht, von Mensch zu Mensch, die nicht zurückweichen vor der Auseinandersetzung der anstehenden Konflikte. Ich fordere uns Brüder und Sie als unsere Gäste auf, für die freie Entfaltung eines jeden einzelnen Menschen einzutreten, das ist die Voraussetzung für eine sinnvolle Entwicklung unserer Gesellschaft, dazu braucht es unsere tätige Solidarität und verständnisvolle Toleranz, das führt zu Bildung und Kultur, deren Ausdruck die Kunst ist. Es bleibt noch viel zu tun.“